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Sie arbeiten und schlafen auf der Straße

Kinder ohne Familie und Schutz

Straßenkinder in Kinshasa, Kongo.
Foto: Kindermissionswerk

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit etwa 33 Millionen Kinder auf der Straße leben. UNICEF hingegen spricht von 100 Millionen. Den Unterschied macht die Definition des Begriffs. Bezeichnet man als Straßenkinder nur die Kinder, die keinen Bezug mehr zu ihrem Elternhaus haben? Oder zählt man auch diejenigen hinzu, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist, die dort mit Arbeit ihr Überleben sichern, die aber zum Schlafen nach Hause gehen? Ungeachtet der Definition ist sicher, dass jedes Jahr Millionen von Kindern ohne die Liebe und Fürsorge einer Familie aufwachsen müssen und schutzlos der Gewalt und Kriminalität auf der Straße ausgeliefert sind. Armut, häusliche Gewalt und Perspektivlosigkeit, Krieg und nicht zuletzt die Aids-Pandemie sind Gründe für den Zerfall familiärer Strukturen. Das Kindermissionswerk unterstützt weltweit Rehabilitierungsprogramme für Straßenkinder und setzt sich besonders dafür ein, dass sie eine Schulausbildung erhalten und in Familien integriert werden.

Ausgebeutet und missbraucht, verachtet und verjagt

Straßenkinder sind schutzlos. Sie betteln oder stehlen, um satt zu werden. Sie werden ausgebeutet und missbraucht, schlafen auf Gehsteigen oder in großen Pappkartons. Straßenkinder werden verachtet, verjagt – und weil sie in einigen Ländern als öffentliches Ärgernis angesehen werden, sogar brutal ermordet. Die meisten Straßenkinder haben kein normales Zuhause. Als Folge von kriegerischen und gewaltsamen Auseinandersetzungen haben sie es verloren – oder aber sie sind selbst abgehauen, weil sie die Schläge und die Not nicht mehr ertragen konnten. Die meisten Kinder, die auf der Straße leben, haben eine Geschichte von Gewalt und Vernachlässigung hinter sich.

Violet fand Liebe und Fürsorge im Straßenkinderprojekt Tikondane.
Foto: Marijke Knod

So auch die neunjährige Violet aus Malawi. Als ihre Eltern an Aids starben, nahm der Großvater das Kind in seine Obhut. Denn sonst war niemand mehr da. Doch schnell war er mit der Aufgabe überfordert, das Kind zu versorgen. Violet war gezwungen, mit Gelegenheitsarbeiten in der Stadt zum Familieneinkommen beizutragen. Doch das Geld reichte kaum. Immer häufiger ließ der Großvater seine Frustration an seiner Enkelin aus. Bis sie letztlich aus Angst vor der Gewalt ihres Großvaters von zu Hause weg lief – und auf den Straßen Lilongwes landete. Hilfe und Schutz fand Violet im Straßenkinderprojekt Tikondane. Hier fand sie Liebe und Fürsorge und konnte ihre traumatischen Erfahrungen verarbeiten. Mittlerweile geht Violet auch wieder zur Schule.

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