Hintergrund: Apartheid in Südafrika
Friedlicher Weg aus der Unterdrückung
Auf 3.500 bedruckte Seiten passt viel Information. Doch so viel Platz hat die Wahrheitskommission gebraucht, um die Menschenrechtsverletzungen aufzuschreiben, die während der Apartheid in Südafrika verübt wurden. 20.000 Opfer hat sie dazu öffentlich gehört und viele nichtstaatliche Organisationen befragt. Außerdem hat sie die Anträge auf Straferlass von 7.500 Angeklagten geprüft – und die allermeisten davon angenommen. Dabei hatte sie nur zwei Jahre Zeit – von 1996 bis 1998. Nicht Bestrafung, sondern Versöhnung war das Ziel.
Schnell sollte es damals gehen, um die schlimme Zeit der Rassentrennung zu überwinden, die das Land fast dreihundert Jahre lang geprägt hatte. Offiziell eingeführt wurde die Apartheid zwar erst 1948. Aber auch schon vorher waren Schwarze stark benachteiligt. Menschen mit zu dunkler Haut durften nur ungelernte Arbeit verrichten, nur in ganz wenigen Gebieten Land kaufen und hatten in der Politik kaum etwas zu sagen.
1948 dann wurde die Trennung bis ins Detail geregelt, die Menschen in Klassen eingeteilt: Schwarze, Weiße, Farbige, Asiaten. Die Zuordnung war jedoch teilweise willkürlich. Wollte man mit Asiaten Geschäfte machen, galten sie dann als „Ehrenweiße“. Schwarze und Weiße durften nicht heiraten, es wurde bestimmt, wer wo zu wohnen hat. Die Schwarzen, die den Großteil der Bevölkerung ausmachten, lebten in der Stadt in den Townships, auf dem Land in den sogenannten Homelands. Doch dort gab es kaum Infrastruktur und viel zu wenig Platz: Auf 14 Prozent der Fläche drängten sich 80 Prozent der Einwohner.
Forderten die Weißen mehr Platz, wurden die Schwarzen kurzerhand umgesiedelt. Fast überall stießen sie auf Verbote: Sie durften nicht in Parks gehen, saßen im Bus getrennt von Weißen und hatten in der nationalen Politik schließlich nichts mehr zu sagen. Die Heirat über Klassengrenzen hinweg war verboten. Schwarze durften sich nicht ohne Pass im Land bewegen und sich nur für begrenzte Zeit in den Städten der Weißen aufhalten.
Strikte Trennung nach Hautfarbe
Geschäfte mit der Apartheidsregierung
Das Ausland hatte dem wenig entgegengesetzt. So stimmten die USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mehrfach gegen Resolutionen, die sich gegen Südafrika wandten. Deutsche Banken und Industrieunternehmen machten sehr gute Geschäfte mit der Apartheidsregierung. Der Daimler Konzern zum Beispiel ist angeklagt, Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen geleistet zu haben, weil er während der Apartheid Fahrzeuge und Maschinen an Militär und Polizei geliefert hat. Noch wehrt sich das Unternehmen. Doch bald - vielleicht sogar während der WM - entscheidet das Gericht in den USA, ob es das Hauptverfahren aufnehmen wird.
Das Ende dieses menschenverachtenden Gesellschaftssystems ist eng mit Nelson Mandela verbunden. Seit seiner Jugend setzte er sich für ein Ende des Systems ein, landete im Gefängnis. Dass er dort herauskam, war auch das Verdienst des letzten weißen Präsidenten Südafrikas Frederik Willem de Klerk. Nachdem er 1990 gewählt wurde, legalisierte er die lange verbotenen Widerstandsbewegungen gegen das System, entließ Mandela aus dem Gefängnis und lockerte die Apartheidsgesetze. Dafür bekam er auch die Unterstützung der Mehrheit der Weißen: In einem Referendum stimmten 70 Prozent dafür, eine neue Verfassung auszuarbeiten und die Rassentrennung aufzuheben. Wichtige Gründe: internationaler Druck, wirtschaftliche Schwierigkeiten und eine schlechtere Sicherheitslage. Insgesamt war der Übergang weitgehend friedlich, 1994 wurde Mandela als Präsident gewählt.
Claudia Rittel
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