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Hintergrund II

„Laduma!“ – "Es donnert!"

Fußball-WM 2010 in Südafrika: Mit Vuvuzelas und Fahnen feuern die Fans "Bafana Bafana" an. Fotos: Susanne Dietmann/Kindermissionswerk

„Laduma!“ rufen die Südafrikaner, wenn beim Fußball ein Tor fällt. Das kommt aus der Sprache der Zulu und heißt: „Es donnert“. Ein treffender Ausdruck für das Tosen und den Krach in einem vollen Stadion. Beim Krankmachen helfen auch die Plastiktrompeten „Vuvuzelas“, die wie ein Bergarbeiterhelm (makarapa) in Vereinsfarben zur Ausstattung eines südafrikanischen Fußballfans gehört. Traditionell war Fußball der Sport der Schwarzen, die nur im Bergwerk arbeiten oder andere wenig intellektuelle Berufe ausüben durften. Gesellschaftlich anerkannt und gefördert wurde nur der Sport der Weißen: Die Buren spielten Rugby, die Anglo-Südafrikaner Kricket. Um ein Zeichen gegen die Apartheid zu setzen, waren Mannschaften der meisten Sportarten zwischen 1964 und 1992 nicht zu internationalen Turnieren zugelassen.

Bezeichnenderweise gründeten politische Häftlinge auf der Gefängnisinsel Robben Island mit der Makana Football Association 1969 den ersten Fußballverband des Landes. Sport – das hieß für sie damals frische Luft und Rauskommen aus der Zelle. 1.600 Häftlinge auf der Insel wollten Fußball spielen, aber es gab nur einen Platz. Das musste organisiert werden. Dass Sport zur Einigung des Landes beitragen kann, hat Südafrika bei der Rugby-WM 1995 gespürt. Als Geste der Versöhnung trug Präsident Nelson Mandela ein Trikot der südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft Springboks, in der fast ausnahmslos Weiße spielten. Es sollte die Mannschaft des ganzen Landes sein. Ebenso wie Bafana Bafana, wie die südafrikanische Nationalelf heißt, wenn von Juni bis Juli 2010 die Fußball-WM im Land am Kap stattfindet.

Vielfältige Kirchenlandschaft

Katholischer Gottesdienst im Johannesburger Stadtteil Rosebank.

Südafrika ist ein sehr christliches Land. Fast 80 Prozent der Bevölkerung glaubt an Gott. Allerdings ist die Kirchenlandschaft weitaus vielfältiger als in Deutschland. 30 Prozent der Christen gehören zu einer der rund 4.000 unabhängigen afrikanischen Kirchen. Je sieben Prozent der Christen sind Katholiken, Pfingstler, Methodisten oder Anglikaner. Außerdem spielen Naturreligionen eine Rolle.

Entsprechend uneinheitlich ist auch die Rolle der Kirche während der Apartheid. Einerseits waren die Kirchen politische Foren, ab 1984 unterstützten manche den Widerstand sogar aktiv. Zudem boten sie für Schwarze mehr Aufstiegschancen als die säkulare Gesellschaft. Ein schillerndes Beispiel dafür ist der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu. Er war 1985 Bischof von Johannesburg und wurde 1986 Erzbischof von Kapstadt. Andererseits unterstützten manche Kirchen die Rassentrennung. Die „Nederduitse Gereformeerde Kerk“ etwa, der der ehemalige Präsident Daniel F. Malan angehörte, rechtfertigte die Apartheid theologisch. Und zahlreiche Kirchen trennten nach Hautfarbe und feierten keinen gemeinsamen Gottesdienst.

Frauen und Kinder leiden besonders unter Armut

In den Townships der großen Städte und auf dem Land leben Familien in Südafrika unter sehr schwierigen Bedingungen.

Südafrika hat nur etwa mehr als halb so viele Einwohner wie Deutschland, doch fast doppelt so viele Geburten pro Jahr. Während Weiße eher als Kleinfamilien zusammen leben, spielt bei Schwarzen die Großfamilie eine zentrale Rolle. Vor allem in den Townships der großen Städte und auf dem Land leben Familien aber unter sehr schwierigen Bedingungen. Nicht überall gibt es Wasser und Strom. In dicht besiedelten Gebieten ist aufgrund von Armut, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus auch Gewalt ein großes Problem. Innerhalb der Familien werden Frauen und Kinder geschlagen oder vergewaltigt. Kinder sind laut Unicef in 40 Prozent der Fälle die Opfer von sexuellen Übergriffen. Auch unter Armut leiden Frauen und Kinder besonders stark. Denn meist sind sie es, die unbezahlter Arbeit nachgehen. Allerdings hat die Regierung 2008 ein Gesetzespaket auf den Weg gebracht, das Kinder besser schützen soll. Bisher hat sich zwar im Alltag der Kinder wenig verändert. Dennoch sind stärkere Rechte ein erster Schritt zu mehr Schutz.

(cir)

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