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Deutschland-Rallye für die Eine Welt

„Senegal-Bus“ startet in Mainz als Vorbote des Dreikönigssingens 2010

Monsignore Winfried Pilz, Steffen Seibert und Simon Rapp (v.r.n.l.) vor dem Senegal-Bus

So eine spannende Vorstellung der bundesweiten Aktion Dreikönigssingen hat es noch nicht gegeben: Rund fünfzig Menschen stehen auf dem Leichhof am Mainzer Dom und hoffen nur auf eins: dass gleich der Bus anspringt und eine Runde auf dem Platz drehen kann. Ob das klappt, ist fraglich, denn das Gefährt mit 25 Sitzplätzen ist technisch nicht auf dem neuesten Stand. Es kommt direkt aus Afrika, um als Vorbote für die kommende Aktion Dreikönigssingen auf einem Anhänger durch ganz Deutschland zu touren. Die Aktion steht diesmal unter dem Leitwort „Kinder finden neue Wege", das Beispielland ist der Senegal.
 
Während eine bunt gekleidete Trommlergruppe aus genau dem Land die Stimmung mit afrikanischen Rhythmen anheizt und das Tempo langsam steigert, bleiben mehr und mehr Passanten neugierig stehen. „Was ist denn hier los?", fragt eine Frau verwundert. Ein älterer Herr nimmt das Fahrzeug genauer unter die Lupe: „Wäre mal interessant zu erfahren, wie viel der schon gelaufen ist." „Erinnert mich an die Hippiezeit", bemerkt ein langhaariger Mann in der Nähe.

Wünsche aus Deutschland für die Kinder der Einen Welt

Der neunjährige Samuel Habermehl ist schon ganz gespannt: Zusammen mit den Schulkameraden aus der vierten Klasse der Martinus-Schule gehört er zu den Auserwählten, die einsteigen und bei der kleinen Runde mitfahren dürfen. „Der Bus gefällt mir, weil er so bunt ist. Besonders schön finde ich die Bilder von den Blumen und Vögeln", sagt er. Bevor der Bus nach Europa verschifft und nach Deutschland transportiert wurde, haben viele helfende Hände in Afrika zum Pinsel gegriffen und das Fahrzeug bemalt. Der Innenraum ist noch nicht ganz so farbig - doch das wird sich bald ändern.

Denn genau wie seine Klassenkameraden hat Samuel ein buntes Blatt Papier in der Hand. Darauf stehen die Wünsche, die die Schüler symbolisch dem Bus für die Kinder in fernen Ländern mit auf den Weg geben wollen. Bei jeder der bisher 45 Stationen, wo der Bus in Deutschland halt machen wird, soll er sich auf diese Weise mehr und mehr mit bunten Blättern füllen.  Samuel wünscht sich - passend zum Leitwort der kommenden Sternsingeraktion - dass die Kinder im Senegal nicht so weit zu Fuß zur Schule laufen müssen.

Bus war als Taxi in Dakar unterwegs

Busfahrer Martin Kuenen

Martin Kuenen, der die Deutschlandtour begleiten wird, öffnet die Fahrertür und setzt sich ans Steuer. Rechts neben ihm ragt der Motorblock in den Fahrerraum. „Fährt man länger mit dem Bus, dürfte es hier ordentlich heiß werden", sagt er. Der Bus der Marke Renault Saviem hat schon einige Jahre auf dem Buckel - im Senegal wurde er Ende des Jahres 1976 zugelassen, gebaut vermutlich zehn Jahre früher.

Das Fahrzeug war als Bustaxi in Dakar unterwegs, die Afrikaner nennen es „Car Rapide", auf Deutsch: schnelles Auto. Dabei kommt es trotz maximal 110 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho kaum auf Touren, wenn es sich durch den dichten Stadtverkehr  der senegalesischen Hauptstadt schlängeln muss. Fensterglas gibt es keins - nur so können sich die Fahrgäste durch Fahrtwind Kühlung bei den hohen Temperaturen verschaffen.

Unterstützt die Sternsinger: ZDF-Moderator Steffen Seibert

Ein Mann mit einem bekannten Gesicht, der direkt neben dem Bus steht, hat keinen Zweifel, dass der Motor anspringt: ZDF-Moderator Steffen Seibert. „Der Bus ist schon so lange gefahren, dann wird das auch heute tun", sagt er überzeugt. Seibert kennt sich ein bisschen aus mit den Taxibussen, denn er war auf Reisen in Afrika schon mehrmals damit unterwegs. „Die Leute fahren ja sogar auf dem Dach mit. Also das ist echt ein Erlebnis."

Der dreifache Familienvater möchte die kommende Aktion Dreikönigssingen unterstützen und ist deswegen auch zur Vorstellung gekommen. Die Hilfsaktion, bei der deutschlandweit Kinder von Haus zu Haus ziehen und Geld für Kinderhilfsprojekte in der ganzen Welt sammeln, ist ihm ein wichtiges Anliegen. Dass in der Vorbereitung ein Originalbus aus Afrika auf die Sternsinger aufmerksam macht, hält er für eine tolle Idee: „Mit dem bunten Bus kommt auch einiges aus Afrika zu uns: die Kreativität, auch Fröhlichkeit und Wärme."

Samuel Habermehl freut sich über die kurze Spritztour

Mit lautem Knattern geht es los

Genau an dieser Wärme fehlt es im spätsommerlichen Mainz - doch noch lässt es sich im Bus trotz der offenen Fenster aushalten. Martin Kuenen, der die ganze Deutschlandtour begleitet, muss jetzt den Start vorbereiten. Hoffentlich klappt alles, denn neben dem Bus warten auch einige Journalisten mit gezückten Kameras, und auch die Kinder der Martinus-Schule sind schon ungeduldig.

Doch für eine erfolgreiche Zündung reicht nicht allein der Schlüssel. Kuenen hält eine Sprühdose bereit, in der Äther enthalten ist. Das muss er im richtigen Moment in das Luftansaugrohr des Motors sprühen. Nachdem Monsignore Winfried Pilz, der Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger", und Pfarrer Simon Rapp, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, gemeinsam den Reisesegen erteilt haben, kann es losgehen: Und tatsächlich, Steffen Seibert hatte Recht: Der Bus springt sofort an.

Obwohl der Motor laut knattert und einige Passanten leicht hustend vor einer größer werdenden Rauchwolke zurückweichen, dämmt das die Begeisterung der Kinder nicht. Samuel ist ganz begeistert: „Die Fahrt war echt schön. Also so einen Bus könnten wir auch gebrauchen, dann könnten wir jeden Morgen damit zur Schule fahren."