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„Wir müssen die Welt gemeinsam aufbauen!“
Kalt ist es im deutschen Winter – ganz anders als im tropisch-warmen Senegal. Trotzdem ist Abbé Ambroise Tine (54) gerne nach Hamburg gereist, um an der bundesweiten Eröffnung der 52. Aktion Dreikönigssingen teilzunehmen. Im Interview erzählt der Direktor der Caritas Senegal, warum er sich für die Sternsinger engagiert, welche Chancen er für die Kinder im Senegal sieht und was er der kleinen Königen in Deutschland mit auf den Weg geben möchte.
Sie haben in Dakar den senegalesischen Taxibus für die Sternsinger organisiert, der in den vergangenen Monaten durch Deutschland getourt ist und nun sind Sie bei der bundesweiten Eröffnung in Hamburg mit dabei. Warum setzten Sie sich so sehr für die Aktion Dreikönigssingen ein?
Mein Engagement kommt einfach von meinem Glauben und der großen Liebe, die ich für die Kinder der Welt habe. 1982 habe ich hier in Deutschland zum ersten Mal die Aktion Dreikönigssingen kennenlernt. Ich fand es toll, dass sich Kinder hier engagieren und sich für andere Kinder in der Welt einsetzen. Ich selbst habe mich im Senegal und weltweit immer wieder für Kinder eingesetzt. Ich habe angefangen Kindergärten und Schulen aufzubauen und einmal im Monat habe ich ein Kinderparlament organisiert. Dort konnten die Kinder über ihre Wünsche und Probleme sprechen.
Die Sternsinger hier in Deutschland haben in der Vorbereitung auf die diesjährige Aktion Dreikönigssingen sehr viel über Gleichaltrige im Senegal erfahren. Was haben Sie über die Kinder in Deutschland gelernt?
Diese Solidarität, die sie weltweit entwickeln. Ich freue mich sehr, dass die Kinder neue Wege finden, um sich mit anderen Kindern zu solidarisieren – weltweit – und dass sie sich gemeinsam für eine neue Welt einsetzen. Keiner kann alleine leben. Wir müssen die Welt gemeinsam aufbauen!
Wie erklären Sie den Kindern im Senegal, was die Jungen und Mädchen hier in Deutschland rund um den 6. Januar tun?
Den Kindern, ganz besonders in der Schule, werde ich davon erzählen, wie sehr sich die Kinder in Deutschland einsetzen, damit es den Kindern im Senegal besser geht. Ich werde ihnen davon erzählen, wie die Kinder von Tür zu Tür ziehen, die Häuser segnen und dafür eine kleine Spende bekommen. Damit wird vielen Kindern in der Welt geholfen.
Bei uns im Senegal feiern die Kinder am 6. Januar zusammen eine Messe, singen, tanzen und sammeln Geld für die Kinder der Welt – obwohl sie selbst nicht viel haben. Sie sollen lernen, solidarisch mit den anderen Kindern der Welt zu leben, auch wenn sie selbst nicht viel in der Tasche haben. Großzügigkeit muss man entwickeln. Auch unsere Kinder sollen lernen, auch das Wenige was sie haben, mit den anderen zu teilen.
Mit welchen Problemen werden die Kinder im Senegal konfrontiert?
Viele Kinder im Senegal können nicht in die Schule gehen. Das ist ein großes Problem. Dort wo Analphabetismus herrscht, ist keine Entwicklung möglich. Viele Kinder haben auch keinen Zugang zu sauberem Wasser. Sie müssen weite Wege zurücklegen, um Wasser zu bekommen. Außerdem leben hier im Senegal viele Kinder auf der Straße. Das ist ein großes Problem. Diese Kinder brauchen ein Zuhause, eine Familie und sollen auch zur Schule gehen dürfen. Ein anderes Problem ist der Nahrungsmangel. Viele Kinder bekommen nur eine Mahlzeit am Tag. In der Regenzeit ist auch Malaria ist ein großes Problem.
Welche neuen Wege, welche Chancen, sehen Sie für die Kinder im Senegal?
Neue Wege sind Wege, die Christus uns gezeigt hat: den Weg der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, der Solidarität. Im Senegal haben wir vor einiger Zeit angefangen, ein regionales Kinderparlament aufzubauen. Dort können die Kinder ihre Ideen und Wünsche äußern und sagen, was sie von der Politik oder von der Religion halten. Und ihre Meinung wird akzeptiert. Die Menschen hören den Kindern zu! Wenn in Zukunft alle Kinder solidarisch leben, werden sie es schaffen, zusammen eine neue Welt aufzubauen, in der jeder seinen Platz findet, in der jedes Kind seinen Frieden findet, in der jedes Kind gut leben kann. Das wünsche ich mir für die Kinder im Senegal und in der Welt. Deswegen finde ich die Sternsingeraktion in diesem Jahr wunderbar, deswegen habe ich mich so engagiert.
In den nächsten Tagen werden in ganz Deutschland wieder rund 500.000 Kinder als Sternsinger unterwegs sein. Was möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben?
Die Liebe, die ich aus dem Senegal mitgebracht habe, möchte ich allen Kindern in Deutschland schenken. Und ganz besonders die Dankbarkeit aller Kinder im Senegal. Die möchte ich den Kindern auch bei der Eröffnung in Hamburg schenken, ganz einfach mit einem Lächeln. Mehr habe ich nicht mitgebracht (lacht).
Interview: Susanne Dietmann




