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Wasser – kostbar wie Gold
Djibrils Vater Gorgui ist Brunnenbauer in der Gegend von Louga. Der Norden des Senegal gehört zur Sahelzone und ist sehr heiß und trocken. Wenn Gorgui einen neuen Brunnen baut, hilft er den Leuten. Sie müssen für das Wasser nicht mehr ganz so weit laufen.
Djibril steht etwas abseits, als sein Vater Gorgui den Eisenring auf den trockenen, heißen Sand legt. Die Kinder aus dem Dorf drängen sich möglichst nah an den Brunnenbauer, um alles ganz genau zu sehen. Djibril dagegen beobachtet das Ganze lieber aus einiger Entfernung an einen Baum gelehnt. In dem Eisenring, der ungefähr einen Meter breit ist, fängt Gorgui an, ein Loch in den Sand zu graben. Das ist der Anfang eines Brunnenbaus im trockenen heißen Norden des Senegal. Gorgui lebt mit seiner Familie in einem Dorf bei Louga. Eine eigene Wasserleitung hat hier keiner in seiner Hütte. Alle müssen das Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen in Eimern und Kanistern an der Wasserstelle holen. Und das meist zweimal am Tag. Gorgui hat Erfahrung mit dem Brunnenbau. Schon mehr als 40 mal hat er sich mit Händen und Schaufel in die Erde gegraben, um in 35 bis 40 Metern Tiefe auf Wasser zu stoßen.
Gefährliche Arbeit
Wenn das Loch ein wenig ausgegraben ist, werden an dem Eisenring weitere Eisen befestigt und bis zu einem nächsten Ring nach unten gehängt, damit der lose Sandboden nicht nachrutscht. Und wenn das Loch tiefer wird als Gorgui groß ist, wird ein dicker Ast mit zwei Seilen darüber gelegt. Daran wird der große schlanke Mann festgebunden und in die Tiefe hinuntergelassen. "Wenn ein Seil reißt, ist das zweite zur Sicherheit da", erklärt der Brunnenbauer.
Ob das der Grund dafür ist, dass sein Sohn Djibril abseits stehen bleibt? Vielleicht ist es ihm nicht ganz geheuer, dass sein Vater so oft tief in der Erde verschwindet. Tatsächlich ist Gorgui schon mal von nachrutschendem Sand verschüttet worden. "Das passiert eben bei der Arbeit", sagt er. Angst hat er trotzdem nicht. Die Leute aus den umliegenden Dörfern helfen mit. Sie ziehen die Eimer mit dem ausgegrabenen Sand hoch und schaffen ihn weg. In Abständen von mehreren Metern werden die Wände mit Beton ausgekleidet, damit das Loch nicht doch wieder zufällt. Wenn der Brunnenbauer unten endlich auf Wasser stößt, ist oben die Freude groß!
Die Natur verstehen
Gorgui erzählt, dass er sein Handwerk bei einem anderen Brunnenbauer gelernt hat und ergänzt: "Richtig gut wird man aber erst durch Erfahrung!" Heute kennt er sich aus: "Wo man einen Brunnen bauen will, muss es flach sein, sonst rutscht der Boden sofort nach." Zu seinem Wissen gehört auch, dass er die Zeichen der Natur lesen kann: Die Farbe des Sandes und die Beschaffenheit der Steine verraten etwas über mögliche Wasservorräte unter der Erde. Und natürlich die Bäume: "Wo Nime-Bäume stehen, ist das Wasser schlecht, und unter Bäumen mit gelben Blüten ist es rötlich und ungeniessbar." Aber da, wo Akazien und Baobabs wachsen, da lohnt es sich zu graben. Djibril jedenfalls möchte nicht Brunnenbauer werden: "Nein, das möchte ich nicht." Mehr will er dazu nicht sagen.





