Projekt finden
„Den Menschen eine Zukunft geben“
Gespräch mit Schwester Margret Spain, Projektleiterin der katholischen Mission im senegalesischen Ndondol
Viele Senegalesen ziehen vom Land in die Stadt oder flüchten auf kleinen Booten nach Europa. Um die Abwanderung zu bremsen, müssen bessere Lebensperspektiven geschaffen werden, besonders auf dem Land. Schwester Margret Spain vom Orden Unsere lieben Frauen lebt seit über zwanzig Jahren in Ndondol, einem Dorf drei Autostunden östlich von Dakar. Dort bringt die gebürtige Australierin Projekte zur ländliche Entwicklung ins Rollen. Insbesondere die Förderung von Frauen und Kindern ist ihr ein Anliegen.
Was sind die dringendsten Probleme der Menschen in Ndondol?
Es gibt große Armut hier. Aber der Kern des Problems ist nicht das fehlende Geld, sondern dass die Menschen nicht die Möglichkeit bekommen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Aus diesem Grund ist die Förderung von Bildung auf dem Land eines unserer größten Anliegen. Denn mit Bildung gibt es eine Wahl. Es mag nicht sehr viele Möglichkeiten geben, zwischen denen die Menschen hier wählen können, aber zumindest können sie sich eine eigene Meinung über die Welt bilden, unabhängig von dem, was andere ihnen sagen.
Wie ist es in Ndondol um die Bildung bestellt?
In den letzten zwanzig Jahren sind das Bildungssystem und die Infrastruktur für Bildung in dieser Region enorm gewachsen. Anfangs hat es gedauert, die Eltern davon zu überzeugen, dass es von Vorteil ist, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Und es gibt immer noch viele Kinder, die nicht in die Schule gehen. Aber immer mehr gehen zur Schule und viele sogar zu weiterführenden Schulen. Auch der Anteil der Mädchen ist inzwischen fast so hoch wie der Anteil der Jungen.
Was hat sich der Region in dieser Zeit noch zum Positiven verändert?
Wenn Sie die Menschen hier fragen, was sich verändert hat, sagen sie als erstes: „Es gibt Wasser.“ Zusammen mit der Caritas haben wir Wasserversorgungen in der Nähe geschaffen, sodass die Frauen nicht kilometerweit laufen müssen und Wasser zum Anbau von Getreide und Gemüse vorhanden ist. Wir haben die Frauen nach ihren größten Anliegen gefragt und sie sagten: „Wir wollen lernen und brauchen Unterstützung bei der Gesundheit unserer Kinder.“ Neben der Schulbildung für die Kinder kümmern wir uns um Sprach- und Gesundheitskurse für die Frauen und es ist wundervoll zu sehen, wie viel sich schon getan hat. Einige von ihnen unterrichten inzwischen selbst. Ein großer Erfolg ist auch die Einführung einer Krankenversicherung. Ein Projekt, das nichts gekostet hat – von Zeit und ein bisschen Benzin zum Herumfahren einmal abgesehen. Sechs Monate haben die Menschen Beiträge eingezahlt, danach konnten sie die Krankenversicherung nutzen. Das Projekt ist komplett senegalesisch verwaltet und funktioniert seit sechs Jahren reibungslos.
Die Förderung von Energiesparöfen ist eines Ihrer jüngsten Projekte. Was hat es damit auf sich?
Der größte Vorteil der Öfen ist, dass sie weniger Holz benötigen. Das entlastet vor allem die Mädchen, denn es ist ihre Aufgabe, das Holz zu sammeln. Darüber hinaus reduzieren die Öfen auch den Druck auf die ohnehin wenigen Bäume. Ihr Ertrag ist 5-8 mal besser, als das Kochen über dem offenen Feuer. Gas ist für die meisten Familien hier noch nicht erschwinglich. Sie sind auf das Holz angewiesen. Die Öfen werden zudem von Handwerkern aus der Region gefertigt, aus regional verfügbaren Materialien, zum Teil aus Recyclingmaterial.
Was macht gute Entwicklungszusammenarbeit aus?
Die Entwicklung muss von den Menschen selbst ausgehen, zu ihren Bedingungen. Ich habe viele gut gemeinte Projekte scheitern sehen, weil sie über die Köpfe der Menschen und ihre Bedürfnissen hinweg geplant wurden. Es kommt nicht auf die Infrastruktur an, sondern auf die Menschen. Sie müssen ihre Arbeit investieren und diese auch dann fortführen, wenn wir gehen. Die Menschen hier sind wunderbar und es ist keinesfalls so, dass wir hier herkommen und die Lösungen mitbringen, weder im materiellen noch im spirituellen Sinne. Wir bekommen viel von den Menschen hier. Sie leben den Glauben jeden Tag. Es sind die Armen, die uns das Evangelium erklären, nicht umgekehrt.
Interviews und Foto: Stefanie Wilhelm



