STERNSINGEN

Ohrwurm „Paz, paz, paz“ gegen kalte Füße

1.800 Sternsinger trotzen beim Auftakt zum Dreikönigssingen der Kälte

Foto: Kathrin Erbe

„Ihr habt eure Kronen blank geputzt und wir den Hildesheimer Himmel“, begrüßte Bischof Norbert Trelle die 1.800 Sternsinger auf dem Hildesheimer Marktplatz. Sogar aus dem rund 700 Kilometer entfernten Traunstein, aus Augsburg und aus ganz Niedersachsen waren die großen und kleinen Könige angereist, um an der Eröffnung der 51. Aktion Dreikönigssingen in Hildesheim teilzunehmen.

In der Tat trübte keine Wolke den Himmel über dem Marktplatz der Stadt, doch es war kalt, bitterkalt – aber das macht einem echten Sternsinger nichts aus! Mit Hüpfen, Singen oder Fang-Spielen trotzten die 1.800 Sternsinger den Minusgraden. Und auch viele Fotografen und Filmteams waren trotz eisiger Kälte angereist. „Wir waren schon überall im Fernsehen – bei VOX, im ZDF und bei RTL“, erzählt Simon Schramm aus Algermissen stolz, „nur SAT1 haben wir noch nicht gesehen“. Dass er Anfang Januar als Sternsinger wieder Geld für Kinder in Not sammelt, ist für den 11-Jährigen selbstverständlich. „Viele Kinder in anderen Ländern sind sehr arm und denen will ich helfen. Außerdem macht es mir großen Spaß und ich bin schon zum dritten Mal mit dabei.“

Auf der Bühne stellten sich derweil Bischof Norbert Trelle, Ministerpräsident Christian Wulff, BDKJ-Bundespräses Andreas Mauritz und Msgr. Winfried Pilz, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, den Fragen von vier Sternsingern: Hat ein Ministerpräsident denn auch Weihnachtsferien? Arbeiten im Kindermissionswerk auch Kinder? Und wie kommt der kolumbianische Popstar Juanes eigentlich auf die Idee, den Sternsingern ein Lied zu schenken?, wollten Tobias (14), Joscha (12), Sarah (13) und Lena (9) von den prominenten Gästen wissen. „Juanes war so von eurem Engagement begeistert, dass er ein Lied extra für euch geschrieben hat“, erklärte Msgr. Pilz.

Ohrwurm mit lateinamerikanischem Rhythmus
„Kinder suchen Frieden – Buscamos la paz“, lautet das Motto der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen. Sie beleuchtet besonders die Gewaltproblematik in Kolumbien – dem Heimatland von Juanes. „Paz, paz, paz“, heißt das Lied des Popstars für die Sternsinger – ein Ohrwurm mit lateinamerikanischem Rhythmus, bei dem auch die letzten steif gefrorenen Sternsinger-Füße nicht mehr still stehen wollten. „Paz, paz paz“, sangen die großen und kleinen Gäste in Hildesheim den Refrain mit, wippten und tanzten vor der Bühne und zum Schluss gab es sogar laute Zugabe-Rufe. In einer großen Prozession mit roten, gelben und blauen „Cometas“ – Winddrachen, die in Kolumbien als Friedensboten gelten – zogen Sternsinger und Prominente anschließend in einer Prozession durch die Innenstadt. „Das hört ja gar nicht mehr auf“, stellte eine Passantin erstaunt fest, eine Ordensschwester im Bergsteiger-Schuhwerk verschenkte derweil tanzend bunte Cometas an die Fußgänger.

Raus aus der Kälte, ab ins warme Südamerika, ging es im anschließenden Workshop-Programm in drei Hildesheimer Kirchen. Einen kleinen Portugiesisch-Kurs in Liedform hatte Ana Clara de Moura Gomes für die Sternsinger in der Seminarkirche vorbereitet. Die junge Brasilianerin erzählte ihnen außerdem von der Situation der Kinder im Nordosten Brasiliens. Sie leben oft in großer Armut.

„Sind die Delfine in Bolivien lieb?“
„Handschuhe ausziehen“ hieß es in der prallgefüllten Kirche St. Godehard. Dort drehte sich alles um Bolivien, das Partnerland des BDKJ-Diözesanverbandes Hildesheim. Eine traditionelle bolivianische Tanzeinlage (die von einigen Sternsingern sogar mit dem Handy gefilmt wurde), ein Mitmach-Lied, aber auch das ernste Thema „Kinderrechte in Bolivien“ standen dort auf dem Programm.

Während sich einige der kleinen Könige noch an den Heizungsschächten aufwärmten, lauschten fast 400 Kinder gebannt den Erzählungen am Altar. „Mich hat erschrocken, dass Kinder Schuhe putzen müssen, damit sie sich etwas zu essen kaufen können“, sagte Pia Bork (11) nach dem Diavortrag. Am Ende durften die Kinder Nelby Albornoz Gonzales, eine Freiwillige aus Bolivien, mit ihren Fragen löchern. Was esst ihr in Bolivien? Was für Klamotten zieht ihr an? Gibt es bei euch auch Viehzucht? und Sind die Delfine in Bolivien lieb? waren nur einige der Fragen, die die Sternsinger der Bolivianerin stellten.

In der Kirche Heilig Kreuz nahmen die Boni-Kids aus Hameln die Kinder mit ihrem Kindermusical mit auf eine Reise nach Lateinamerika. Außerdem berichtete der Kolumbianer Freddy Cruz aus seinem Friedensprojekt in der Millionenstadt Medellin. „Viele Kinder können nicht einfach zur Pommesbude gehen, wenn sie Hunger haben, die suchen ihr Essen aus dem Müll, sie haben keine Toiletten und keinen Arzt. Man sammelt viel fleißiger, wenn man weiß, dass man so viel Gutes mit dem Geld machen kann", sagte Anna Malik (11). Seine Vorfreude auf’s Sternsingen konnte auch Moritz Übermuth (11) aus Stade nicht verbergen: „Ich bin jetzt voll heiß - aufs Sternsingen.“

"Ein hungriger Bischof ist unerträglich..."

Der offizielle Startschuss fiel nur wenig später im Eröffnungsgottesdienst im Hildesheimer Dom. „Hiermit ist die 51. Aktion Dreikönigssingen offiziell eröffnet“, verkündeten Pfarrer Andreas Mauritz und Msgr. Winfried Pilz gemeinsam. Jubel, tosender Applaus. Mit ihren Kronen, Sternen und den bunten Friedens-Cometas zogen die Sternsinger feierlich durch die Bernward-Türe aus dem Dom. Die kalten Füße und Hände vom Vormittag waren da schon längt vergessen. Gegen die knurrenden Mägen gab es ein Lunchpaket zum Abschied, denn „nicht nur ein hungriger Bischof ist unerträglich, sondern auch ein hungriger Sternsinger“, stellte Norbert Trelle treffend fest.