„Ich wünschte, meine Eltern wären noch am Leben"
ISIBINDI hält Familien zusammen und schenkt ihnen Mut
Südafrika K 322
„Ich möchte so gerne wieder in die Schule gehen. Doch wer würde sich dann um meine kranke Schwester und die Kinder kümmern? Ich wünschte, meine Eltern wären noch am Leben!” Dies sind die Worte der 20-jährigen Asanda.
Asanda hat ihr Teenagerleben verpasst. Sie lebt mit ihren fünf Geschwistern und ihrer zweijährigen Nichte in einem kleinen abgeschiedenen Haus, zehn Kilometer außerhalb von Cala, einer Kleinstadt in der südafrikanischen Provinz Eastern Cape. Asanda war gerade 14 Jahre alt, als ihre Eltern durch einen tragischen Unfall ums Leben kamen. Seit diesem Tag ist sie für den Haushalt und die Erziehung ihrer Geschwister zuständig. Asandas ältere Schwester Nomvuselelo hat eine kleine Tochter. Nomvuselelo ist stark gehbehindert, braucht Pflege und kann sich nur bedingt um die zweijährige Eyona kümmern. So liegt die Verantwortung für die gesamte Familie allein bei Asanda.
Die Lehmhütte, in der die siebenköpfige Familie lebt, ist viel zu klein. Es gibt nur ein Bett, und so müssen vier Kinder jede Nacht auf dem Boden schlafen. Es fehlt an Matratzen und Decken. Am liebsten würden sie einen weiteren Raum anbauen, doch dazu fehlt das Geld. Es reicht kaum zum Essen.
Betreuung durch ISIBINDI Child Care Worker
Einmal pro Woche besucht Linda Tofile die junge Familie. Sie kennt die enormen Schwierigkeiten der Geschwister und versucht, ihnen so gut wie möglich zu helfen. Nosibene arbeitet seit zwei Jahren als Child Care Workerin bei ISIBINDI. Ziel des Projekts ist es, sozial benachteiligten Familien und besonders deren Kindern zu helfen, sie zu stärken und ihnen Mut zu schenken. Genau dies drückt auch der Name des Projekts aus. ISIBINDI bedeutet in Zulu, einer der weitverbreitetsten Stammessprachen Südafrikas, Mut.
Ein besonderer Schwerpunkt von ISIBINDI liegt auf der Betreuung von Waisenkindern. So erhalten Asanda und ihre Geschwister einmal im Monat ein Versorgungspaket mit wichtigen Grundnahrungsmitteln. Für die Kinder, die noch die Schule besuchen, bezahlt ISIBINDI die erforderlichen Schuluniformen.
Doch die Familie von Asanda ist nicht die einzige, die an diesem Nachmittag besucht wird. Viele bedürftige Familien, die durch die Child Care Worker betreut werden, leben in Ndondo Square, einem besonders verarmten Stadtteil von Cala. Die Stadt zählt 30.000 Einwohner und liegt in der ehemaligen Transkei, einem Gebiet Südafrikas, das während der Apartheid ausschließlich für die schwarze Bevölkerung bestimmt war. Bis heute zählt das Gebiet zu einer der am wenigsten entwickeltsten und ärmsten Regionen Südafrikas.
Trotz der wunderschönen Landschaft aus saftiggrünen Hügeln und Tälern ist Cala eine trostlose und ziemlich heruntergekommene Stadt. Zerfallene Gebäude, zahlreiche Autowracks, herumliegender Müll und marode Straßen tragen zu der lieblosen Atmosphäre bei. „Es gibt keine Industrie, die Arbeitslosigkeit liegt bei 70 Prozent und die Menschen haben einfach keine Perspektiven. Alkoholismus, Drogen und Kriminalität sind ein großes Problem”, erklärt Lulamile Yedwa, der Regionalleiter des ISIBINDI-Projekts. „Die Herausforderungen für uns sind gewaltig. Kinder wachsen in zerrütteten Familien auf, viele haben ihre Eltern aufgrund von Aids verloren. Die Jugendlichen hängen in den Straßen herum und Gewalt ist an der Tagesordnung.”
Um Kindern einen Platz zum Spielen zu ermöglichen, hat ISIBINDI in Cala den „Safe Park” entwickelt. Hierbei handelt es sich um einen abgesicherten Spielplatz für Kinder, der täglich geöffnet ist und durch die Child Care Worker betreut wird.
„Wir tun, was wir können, doch unsere Möglichkeiten sind in Anbetracht der Not recht begrenzt”, erklärt Linda Tofile. „Dennoch hoffen wir, dass wir durch unsere Beratung und den engen Kontakt mit den Kindern es schaffen, dass diese ihre Schulausbildung fortsetzen und nicht auf der Straße landen.”








