Jabulani - ein afrikanisches Dorf der Hilfe
Ein Zuhause für HIV/Aids-betroffene Kinder, Mütter und Großmütter in Mariannhill
Südafrika K 588
„Am liebsten wäre ich eine Katze.”
Katzen sind saubere Tiere - das fasziniert die 12-jährige Hlengiwe Nzama. So wäre sie auch gerne, sagt sie und blickt verschämt nach unten. In der Hütte ihrer Mutter ist es schmutzig und unaufgeräumt. Nichts für reinliche Samtpfoten. Wenn die 35-jährige Mutter betrunken nach Hause kommt, torkelt sie durch die enge Hütte und reißt dabei die Möbel um. Für ihre Tochter interessiert sie sich schon lange nicht mehr. Hlengiwes größter Wunsch: Dass die Mutter aufhört zu trinken. Ihre drei älteren Geschwister haben diese Hoffnung schon längst aufgegeben und das Weite gesucht. Jetzt bekommt sie die ganze hilflose Wut der HIV-positiven Frau zu spüren.
Wirklich geliebt fühlt sie sich nur von ihrer Großmutter und von Gloria. Die Sozialarbeiterin mit dem großen Herzen ist wie eine Mutter für die vielen Kinder aus den Townships, die in „Jabulani” Zuflucht suchen. Gemeinsam mit Schwester Marco, der Leiterin, ist sie die Seele des Projekts. Viele Kinder mit ähnlichen Schicksalen wie das der kleinen Hlengiwe finden bei ihnen Trost. Hier im „Dorf der Hilfe” können sie Kinder sein.
Es gibt eine Schule, eine Krankenstation und gesundes Essen. Für die Mädchen und Jungen aus den Townships eine ganz neue Erfahrung: Hier gehen die Menschen liebevoll mit den Kindern um. Der zwanglose und doch sehr respektvolle Umgang der Generationen miteinander erinnert an eine traditionelle afrikanische Dorfgemeinschaft. Und es ist nicht nur ein Dorf der Kinder und Jugendlichen, hier sieht man auch Mütter und Großmütter. Die Erwachsenen mit einzubeziehen, ist das erklärte Ziel von Schwester Marco. Gemeinsam mit Frauen wie Gloria füllt sie das Dorf mit Leben, das für sich zu Recht in Anspruch nimmt, ein Dorf der Selbsthilfe zu sein. Die Erfahrung zeigt, dass das Konzept aufgeht: Die Frauen ermutigen sich gegenseitig. Fast jede von ihnen ist HIV-positiv. Doch sie leben und sie müssen und können Verantwortung für sich und ihre Kinder übernehmen.
Arbeit statt Almosen
Die Frauen bekommen Unterstützung – wenn sie selber etwas tun. Almosen gibt es hier für niemanden – aber konkrete Angebote für die Mütter und Großmütter in einer der Werkstätten zu arbeiten. In der Gärtnerei, Näherei, Weberei, Bäckerei, Schreinerei und den anderen Werkstätten gibt es immer was zu tun. Wer arbeitet, bekommt Geld und Lebensmittel. Vielleicht wird auch Hlengiwes Mutter diese Chance ergreifen. Ihre Tochter jedenfalls fühlt sich wohl „im Dorf”. Sie genießt es, das es dort Menschen gibt, die ihr zuhören und Gloria sie immer wieder in den Arm nimmt. Das hat bisher nur ihre Großmutter getan. Hier bei „Jabulani” hat das Mädchen eine große, liebevolle Familie gefunden.








