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Schulfach Europa

In der "Schule für Europa" lernen Christen und Muslime gemeinsam.
Eine große Gemeinschaft: Auch nach Schulschluss bleiben die Jungen und Mädchen oft gemeinsam in den Freizeiträumen.
Fotos: Kindermissionswerk

Inzwischen ist es schier unmöglich, den riesigen Andrang zu bewältigen. „Wir wollen unser Kind unbedingt in Ihre Schule schicken“, bekommt Bischof Franjo Komarica von allen Seiten zu hören. „Dabei platzt das Gebäude schon aus allen Nähten“, erzählt der 62-Jährige nicht ohne Stolz.

Vier Jahre ist es her, seit der Bischof in Banja Luka (Bosnien und Herzegowina) die erste „Schule für Europa“ eröffnet hat. Eine Schule für alle Konfessionen sollte es werden, eine Schule, in der er seine Vision von Europa umsetzen wollte: Glaubwürdigkeit, Solidarität, Ehrlichkeit, Völkerverständigung und Friedfertigkeit.

Friede auf wackeligen Beinen
In einem Land, in dem der Friede auch 14 Jahre nach Kriegsende immer noch auf wackligen Beinen steht, ist das keine leichte Aufgabe. Viele Trümmer und Verwundungen erinnern bis heute an den Bürgerkrieg. Noch immer beklagt die katholische Kirche die Vertreibung ihrer Mitglieder aus Bosnien.

Doch die Vision von Bischof Komarica hat sich erfüllt. Egal ob Sport, Mathematik oder Geschichte – an der Europaschule lernen Christen und Muslime gemeinsam und auch Lehrer und Eltern ziehen an einem Strang. „Unsere Arbeit ist auf die Zukunft der Kinder ausgerichtet“, erklärt Bischof Komarica. „Sie sollen lernen, in einer multiethnischen und multikonfessionellen Welt zu leben – ohne Krieg und Gewalt.“

"Hier wird sehr viel Wert auf Gemeinschaft gelegt"
Und die Idee des Bischofs kommt an: „Hier wird nicht gefragt, woher ich komme. Den Lehrern ist es vor allem wichtig, gute Persönlichkeiten aus uns zu machen“, erzählt der 16-jährige Igor Ojdani. „Und hier wird sehr viel Wert auf Gemeinschaft gelegt.“ Kein Wunder also, dass die Schüler auch noch lange nach Schulschluss in den Freizeiträumen bleiben, um Tischtennis oder Kicker zu spielen.

Einmal im Jahr erleben die Europaschüler aus Banja Luka „Europa live“. Beim internationalen Treffen im deutschen Marienthal diskutieren sie gemeinsam mit Schülern aus neun europäischen Ländern über die Zukunft Europas. „Für die Kinder ist das jedes Mal eine wertvolle Erfahrung“, berichtet Bischof Komarica, „Und letztes Jahr sind unsere Schüler sogar als ‚große Bereicherung’ für die Gesamtgruppe gelobt worden.“

"Unser Beitrag für Europa"
Um noch mehr Schüler aufnehmen zu können, hat der Bischof weitere Räume in Banja Luka angemietet. Inzwischen ist der Rohbau der zweiten Europaschule in Banja Luka fertig gestellt. Mit der Hilfe des Kindermissionswerks und weiterer Förderer soll auch hier schon bald der Schulbetrieb beginnen. „Das ist unser Beitrag zur Versöhnung, unser Beitrag für Europa“, sagt Bischof Komarica.

"Europa ist ein Garten aus vielen unterschiedlichen Blumen. Jede dieser Blumen muss ihre Farbe und ihren Geruch bewahren. Jede blüht so, wie Gott sie erschaffen hat."

Bischof Franjo Komarica


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