Das Wissen nach Hause bringen
In den Trockengebieten Brasiliens lernen schon die Jüngsten, mit wenig Wasser auszukommen
Im Nordosten Brasiliens liegt der Sertão. Das Trockengebiet umfasst die Fläche von Deutschland und Frankreich und ist die Heimat von rund 60 Millionen Menschen. Wasserknappheit bestimmt das Leben in der weiten, kargen Landschaft. Regen fällt nur selten und unregelmäßig. IRPAA, das regionale Institut für angepasste Kleinbauernlandwirtschaft und Tierhaltung, zeigt den Menschen in der Region São Bento, wie sie mit der Trockenheit leben können.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Kinder. Sie sind offen und neugierig und bringen das Wissen aus der Schule nach Hause in die Familie. Sie rechnen aus, wie viele Monate das Wasser in der Zisterne reicht oder zeigen ihren Eltern, wie man die Regenrinnen zu den Zisternen säubert und warum das wichtig für die Wasserqualität ist. Das Kindermissionswerk unterstützt die Arbeit von IRPAA seit vielen Jahren, etwa durch die Finanzierung von Schulmaterialien, die sich speziell auf die Situation der Kinder im Sertão beziehen.
Buschweide, Kakteen und Sträucher – viel mehr wächst in der kargen Region Sertão im Nordosten Brasiliens nicht. Allein im 20. Jahrhundert gab es dort 37 Trockenjahre ganz ohne Regen.
Umso wichtiger ist es, dass schon die Kleinsten den richtigen Umgang mit Wasser lernen. Wie berechnet man die Niederschlagsmenge und welche Fläche kann man mit dem Wasser gießen? Die Rechenaufgaben im Unterricht gehen auf die Situation vor Ort ein.
Im Schulgarten können die Kinder das erworbene Wissen praktisch umsetzen. Sie lernen, welche Obst- und Gemüsesorten in der kargen Landschaft wachsen und bauen selbst Bohnen, Maniok oder Salat an. Dank der Ernte ist auch das Schulessen viel besser geworden.
José Bostinha, „der Mistkönig“, ist die zentrale Figur des Unterrichtsmaterials von Lehrerin Annalice Carvallo (30). Das Kindermissionswerk hat die Herstellung der Infotücher und weiterer Lernmaterialien finanziert.
Gemeinsam mit Tochter Gislaine (9) geht Edileuza nachmittags zur Schule. „Ich hatte früher nicht die Möglichkeit zur Schule zu gehen“, erzählt sie. „Meine Tochter hat mir immer wieder aus dem Unterricht berichtet.“
Edileuza ist eine von zehn Erwachsenen unter den 160 Schülern in São Bento. Stolz präsentiert sie mit den jüngeren Schülerinnen den Schulgarten und seine Erträge.
Fotos: Silke Fock-Kutsch / Kindermissionswerk



