Wissen mit nach Hause nehmen
Kinder als Multiplikatoren für Wasser- und Umwelterziehung
Eine Million Quadratkilometer groß ist der Sertão, das halbtrockene Gebiet im Nordosten Brasiliens. Wasserknappheit bestimmt das Leben der Menschen in dieser weiten, kargen Landschaft, die auch „Armenhaus Brasiliens“ genannt wird. Knapp 30 Prozent der Bevölkerung des Landes leben in der Region, darunter rund 13 Millionen Kinder. Mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen leben in Armut, viele von ihnen können weder lesen noch schreiben.
IRPAA, das Regionale Institut für angepasste Kleinbauernlandwirtschaft und Tierhaltung, ist eine gemeinnützige Organisation im Zentrum des Sertão. Wie viel Liter Wasser braucht ein Mensch am Tag, wie viel eine Ziege? Wie lange reicht das Wasser in der heimischen Zisterne? So sehen die Rechenaufgaben aus den Büchern für Grundschüler aus, welche die Organisation mit Unterstützung des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ gedruckt hat. Aufgaben, die auf das Leben der Kinder im Nordosten eingehen. Didaktisches Material, angepasst an die Realität der Kinder, verbindet das Lernen in der Schule mit dem Alltag der Jungen und Mädchen. In den Büchern sieht man nicht die Blumen und Pflanzen des Südens, mit seiner üppigen Vegetation, sondern die Kakteen der Region. Hier im Nordosten essen die Menschen diese Pflanzen.
Kinder bringen das Wissen in die Familie
Kinder sind für IRPAA der Schlüssel für Veränderung. Sie sind offen und neugierig und bringen das Wissen aus der Schule nach Hause in die Familie. Sie rechnen aus, wie viele Monate das Wasser in der Zisterne noch reichen wird oder zeigen ihren Müttern und Vätern, wie man die Regenrinnen zu den Zisternen säubert und warum das wichtig für die Wasserqualität ist.
Begleitet durch didaktische Spiele und Bücher sollen nun schuleigene „pädagogische Gärten“ entstehen, in denen die Kinder das erworbene Wissen auch praktisch umsetzen können. In den Gärten lernen die Mädchen und Jungen, welche Obst- und Gemüsesorten auch in der kargen Landschaft wachsen. Begleitend dazu wurde ein Spiel entwickelt, durch das die Kinder ihre Kenntnisse vertiefen und an ihre Familien weitergeben sollen. Die Erträge aus den Schulgärten eröffnen außerdem neue Möglichkeiten für die Eigenversorgung der Schule und damit für die Mahlzeiten der Kinder. Das vitaminreiche Gemüse soll die Versorgung der vielfach mangelernährten Mädchen und Jungen verbessern.
Bei der Bedeutung des Wassers für die Menschen im Sertão wird auch klar, warum sie die Umleitung des Flusses São Francisco mit großer Sorge erfüllt. Die sozialen Folgen und die Auswirkungen dieses Großprojekts auf die betroffene Bevölkerung und das Gleichgewicht der Natur sind nicht absehbar.





