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Reiseberichte aus aller Welt

Hilfe für indigene Völker

Ein Bildungsprogramm mit Kindern der Tembé in Brasilien

Etwa 735.000 Angehörige indigener Völkerleben heute in Brasilien; manche in abgeschiedenen Gebieten, ohne großen Kontakt zur Außenwelt, andere in den Städten. Lange bevor um das Jahr 1500 die ersten Europäer kamen, bewohnten etwa 2.000 Völker mit geschätzten vier bis sechs Millionen Menschen das heutige Brasilien. Als Halbnomaden lebten sie von Jagd und Fischfang, sammelten Früchte und betrieben Wanderfeldbau. 450 Jahre nach dem Beginn der europäischen Kolonisation, im Jahr 1950, zählte man gerade noch 100.000 Angehörige indigener Völker. 1988 hat die brasilianische Regierung den indigenen Völkern in der Verfassung ihr ursprüngliches Recht auf das traditionell besiedelte Land zugesichert. Ihre soziale Organisation, ihr Brauchtum, ihre Glaubensvorstellungen und Traditionen sollten ebenso geschützt werden wie ihre Sprachen. Doch bis heute sind nur 325 der 851 Gebiete, die von indigenen Gruppen bewohnt werden, offiziell registriert und damit vollständig als geschützte Lebensräume anerkannt.

Die blaue Pflanzenfarbe wird zu festlichen Gelegenheiten auf die Haut gemalt.

Ohne Land kein Leben
Ohne Land kein Leben. Wasser, Nahrung, Erde – das Land ist die Mutter aller Existenz und wird von den Angehörigen der indigenen Völker hoch verehrt. Nirgends ist der Regenwald so gut geschützt wie in den Gebieten, in denen indigene Völker noch nach ihren alten Traditionen leben können. Ihr Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist oft beispielhaft. Seit vielen hundert Jahren leben die Tembé in verschiedenen Regionen des nordbrasilianischen Bundesstaates Pará. Noch rund 600 Kinder und Erwachsene kämpfen beharrlich um ihr Recht auf ein freies und friedvolles Leben. Auch wenn viele Tembé heute als Arbeiterin den Städten ihr Geld verdienen, ist das ländliche Leben noch von Fischerei und Viehzucht geprägt. Doch der Lebensraum der Tembé ist bedroht – und damit auch ihr traditionelles Leben. Großfarmen und die Firmen der Holzindustrie dringen immerweiter in das Gebiet Alto Rio Guamá vor, das die Tembé bewohnen. Politiker und lokale Holzhändler, die es auf die Ausbeutung der Waldbestände abgesehen haben, unterstützen die illegalen Machenschaften. Die Angst um den Verlust des Lebensraums und die drängenden Fragen nach der Gestaltung ihrer Zukunft prägen das moderne Leben der Tembé immer stärker. Angst vor dem Identitätsverlust prägt auch das kulturelle Leben. Alte Traditionen und Festerücken immer mehr in den Hintergrund. Mit der Angst steigt der Missbrauch von Alkohol und Drogen.

Tradition und Moderne treffen im Alltag der Kinder oft aufeinander.

Stärkung der kulturellen Identität
Der regionale Indianermissionsrat CIMI plant nun ein Zweijahres-Programm zur Entwicklung und Stärkung der Dörfer der Tembé. Als wichtige Träger der Entwicklung will CIMI vor allem die Kinder ansprechen, um bei ihnen ein neues kulturelles Selbstbewusst sein zuwecken. Der Rat möchte erreichen, dass die Kinder und Jugendlichen das kulturelle Leben wieder aktiver mit gestalten. Mit einergestärkten ethnischen Identität sollen sie die Rechte der Tembé künftig auch gegen Politiker und Industrielle vertreten können. Außerdem sollen die Kinder über die Gefahren von Alkohol und Drogen aufgeklärt werden. Die Tembé-Multiplikatoren, die diese Aufklärungsarbeit durchführen sollen, werden in Seminaren ausgebildet. Das didaktische Material, das sie verwenden, wird später auch in den Dorfschulen zum Einsatz kommen. Für diese wichtige und wertvolle Arbeit bittet der Indianermissionsrat um Unterstützung: für die Durchführung der Kurse, die Erstellung von Material, Personalkosten und die Kosten für den Transport mit Booten und Bussen in die Dörfer.


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