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Reiseberichte aus aller Welt

Tansania: Jatrophaöl statt Diesel

Stolz zeigen die Kinder ihre selbst gezogenen Jatrophapflänzchen. Aus den Nüssen dieser Pflanzen wird das Öl gepresst, das den Generator antreibt. Die Pflanze wächst auch auf mageren Böden, die zum Anbau von Mais und anderen Feldfrüchten nicht geeignet sind.
Jatrophabäume liefern nicht nur wertvolle Nüsse, sie steuern auch dem Effekt der globalen Erwärmung entgegen. Eine Pflanze absorbiert während des Wachstums viel CO2-Gas aus der Atmosphäre.
Die Solaranlage auf dem Dach ergänzt die Stromversorgung
Mit einer solchen Presse wird das Öl aus den Nüssen gewonnen

Eine Grundvoraussetzung zur Entwicklung der ländlichen Regionen Afrikas ist die Versorgung mit elektrischer Energie. Zur Beleuchtung von Wohnhäusern und Schulgebäuden, im medizinischen Bereich oder zum Pumpen von Wasser – überall wird Strom benötigt. Doch die Stromerzeugung ist oft teuer und belastet die Umwelt. Eine billigere und ökologisch gute Alternative ist die Kombination aus Solarstromanlage und Pflanzenöl-Generator. Vor allem zur Energieversorgung in den sonnenreichen Ländern der Erde ist das ein geniales Prinzip.

Keine öffentliche Stromversorgung
Die Diözese Mbinga wurde 1987 gegründet und besteht aus 24 Pfarreien. Die 50.000 Einwohner leben von den kargen Erträgen aus der traditionell betriebenen Landwirtschaft. Weil das Geld fehlt, können viele Kinder nicht zur Schule gehen. In der gesamten Region gibt es außerdem keine öffentliche Stromversorgung.

Zum Regionalhaus der in Mbinga ansässigen Vinzentinerinnen-Schwestern gehören zwei Kindergärten, die von 300 Kindern aus den umliegenden Dörfern besucht werden, ein College zur Ausbildung von Erzieherinnen und eine Hauswirtschaftsschule. Nach zwei Jahren können Mädchen hier eine Ausbildung zur Köchin oder Schneiderin machen. Außerdem gibt es auf dem Gelände eine Krankenstation und verschiedene Werkstätten. In Schreinerei, Schlosserei, Autowerkstatt und Schusterei arbeiten die Schwestern vor allem für den eigenen Bedarf. Aber auch die Dörfer profitieren vom handwerklichen Geschick der Schwestern. Im Konvent und dem angeschlossenen Internat leben zurzeit 150 Schwestern und Schülerinnen.

Umweltverträglicher Strom dank Pflanzenöl-Generator
Den Strom für die Einrichtung lieferte bisher ein Dieselgenerator. Aufgrund des hohen Ölpreises konnte dieser jedoch nur stundenweise betrieben werden. Zusammen mit der Firma Energiebau Köln hat das Kindermissionswerk in Mbinga den Aufbau einer Solar-Hybrid-Anlagen mit Pflanzenöl-Generator finanziert, die mit erneuerbarer Energie, Sonnenlicht und dem Öl der vor Ort angebauten Jatrophabäume gespeist wird. Dank der Nähe zum Verbraucher – die Anlage steht direkt auf dem Gelände der Schwestern – ist keine Fernleitung notwendig. Der 8,1 Kilowatt starke Solargenerator erzeugt pro Jahr ca. 14.000 Kilowattstunden elektrische Energie durch die direkte Strahlung der Sonne. Auf den Feldern des Konvents wurden mittlerweile 20.000 Jatrophabäume angepflanzt, die schon bald genügend Öl für den Generator liefern werden.

Die Idee hat sich herumgesprochen
Mittlerweile hat sich die Idee aus Mbinga herumgesprochen. Im Mädcheninternat Boni Consilii (Diözese Mbamba) sollen die Klassenräume künftig mithilfe einer Solar-Hybrid-Anlage beleuchtet werden. Die Schülerinnen helfen außerdem beim Anbau der Jatrophabäume und lernen so den Umgang mit nachwachsendem Treibstoff und den ökonomischen Nutzen der daraus entsteht.


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