Ernährungsprogramm für Kinder im Senegal
Geduldig wartet die Frauengruppe im Schatten eines großen Baobab-Baumes. Einige Mütter tragen ihre Säuglinge auf dem Arm oder in einem Wickeltuch auf dem Rücken, ein paar Kleinkinder spielen auf dem staubigen Boden. Dienstag ist Gesundheitstag in Ndondol, einem kleinen Dorf im Nordwesten des Senegals. Jede Woche kommen Schwester Anne und ihre ehrenamtliche Mitarbeiterin Philomène Dione dorthin. Das Gesundheitsteam betreut Kleinkinder, schwangere und stillende Mütter und berät die Frauen in Ernährungsfragen.
„Hunger ist schlimmer als viele Krankheiten“
Vier von fünf senegalesischen Familien, die auf dem Land leben, sind arm. „Das größte Problem dieser Menschen ist der Hunger. Er ist schlimmer als viele Krankheiten“, erklärt Schwester Anne, Leiterin der Gesundheitsstation in Ndondol. „Wenn die Ernte aus dem Vorjahr zur Neige geht, können sich viele Menschen hier nur eine einzige Mahlzeit am Tag leisten.“ Auch die weltweite Wirtschaftskrise bekommen die Menschen im Senegal zuspüren: „Grundnahrungsmittel wie Öl, Reis oder Fisch sind sehr teuer geworden. Viele Eltern haben deswegen Probleme, genügend Nahrungsmittel für ihre Familien zu kaufen“, sagt Schwester Anne. An den Folgen leiden vor allem die Kinder, denn Mangel- und Fehlernährung in frühem Alter können zu lebenslangen Gesundheitsschäden führen. Um die Ernährungssituation in der Region zu verbessern, hat die Caritas in der Diözese Thiès zwölf Gesundheitsstationen gegründet. Auch das Programm der Schwestern in Ndondol profitiert von dem Programm der Caritas. Einmal im Monat wiegen Schwester Anne und ihre Kolleginnen die jüngsten Patienten, mit einem Messstreifen messen sie den Oberarmumfang. Liegen die Ergebnisse unter den Normalwerten, bekommen die Kinder eine Ergänzungsnahrung. Auch Parasitenerkrankungen behandelt das Gesundheitsteam bei Kindern immer wieder. Schwangere werden mit Eisen, Folsäure und anderen Nährstoffen versorgt.
Kochkurse für eine ausgewogene Ernährung
In wöchentlichen Kochkursen lernen die Frauen außerdem, ausgewogene Gerichte zuzubereiten. Die meisten Familien in Ndondol leben in einfachen Strohhütten ohne Strom oder fließendes Wasser. Gekocht wird traditionell in einem großen Topf über dem offenen Feuer. Gemeinsam mit Müttern und Großmüttern hat Philomène Dione einen kleinen Ackerangelegt. Dort bauen die Frauen Erdnüsse, Hirse und Buschbohnen an. In regelmäßigen Gesprächsgruppen werden die Mütter beraten, worauf sie bei der Ernährung und Hygiene ihrer Kinder achten müssen. Aufgrund der eingeschränkten Wasserversorgung ist die Hygienesituation in den Dörfern oft problematisch. Gemeinsam mit der katholischen Mission in Ndondol hat die Caritas Thiès auch eine Wasserversorgung in der Nähe der Dörfer geschaffen, sodass die Frauen nicht mehr kilometerweit laufen müssen, um Wasser für den Anbau von Gemüse oder Getreide zu holen. „Wenn Sie die Menschen hier fragen, was sich verändert hat, sagen sie als Erstes: Es gibt Wasser!“, erzählt Schwester Margaret Spain, Projektkoordinatorin. „Wir haben die Frauen nach ihrem größten Anliegen gefragt, und sie sagten: Wir wollen lernen und brauchen Unterstützung für die Gesundheit unserer Kinder“, erzählt Schwester Margaret weiter. Das Ernährungsprogramm in Ndondol erreicht inzwischen rund 400 Frauen und Kinder. „Es ist wundervoll zu sehen, wie viel sich schon getan hat.“




