Gegen die Ausbeutung von arbeitenden Mädchen
„Verletze meine Würde nicht" steht auf dem Plakat in dem kleinen Café der JOCF, der Christlichen Arbeiterjugend in Dakar. Dieses Café ist ein offener Treffpunkt und eine Anlaufstelle für Mädchen, die von ihren Arbeitgebern ausgebeutet werden. Vor einigen Jahren hat die JOCF zusammen mit der Organisation "Rat für die Hilfe für Hausangestellte" (CAEM) begonnen, Mädchen auf der Straße anzusprechen.
Heute betreuen sie in fünf kleinen Zentren in Dakar diejenigen, die zum Arbeiten in die Großstadt gekommen sind. In den Zentren finden die meist völlig auf sich allein gestellten Mädchen Ansprechpartner und Hilfe bei Problemen. Die wenigsten sind älter als 14 Jahre. Sie schuften als Wäscherinnen, Hausmädchen oder Straßenhändlerinnen.
Die Mädchen werden unterrichtet und bestärken sich gegenseitig
In den Gesprächen mit den Mitarbeitern erfahren sie, was faire Arbeitsbedingungen bedeuten und welche Rechte sie auch gegenüber ihren Arbeitgebern durchsetzen können und müssen. In einem neunmonatigen Ausbildungskurs lernen sie hier außerdem elementare Dinge der Haushaltsführung und Grundlagen im Schreiben, Lesen und Rechnen. Je drei Stunden an drei Tagen in der Woche werden sie unterrichtet. In gemeinsamen Gesprächsrunden ist Zeit zum Austausch und zur Stärkung der Gruppe. Das Gefühl zu haben, nicht allein zu sein, stärkt die Mädchen enorm. Ein selbstbewusstes Auftreten verschafft ihnen dann auch den Respekt der Arbeitgeber.
Weitere Unterstützung notwendig
Mittlerweile hat sich die Idee herumgesprochen und immer mehr Mädchen suchen die Unterstützung der Zentren. Um noch mehr Mädchen helfen zu können und die Idee weiter zu verbreiten, planen die Mitarbeiter nun die Eröffnung von drei weiteren Zentren. Bundespräsident Horst Köhler und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ unterstützen gemeinsam das Projekt, damit die Kosten für Wasser, Elektrizität, Nahrungsmittel und den Betrieb der Küche gedeckt werden können und die Gehälter einer Koordinatorin und von zwölf Ausbildern gewährleistet sind.
| Hintergrund: Armut auf dem Land zwingt die Menschen in die Städte |
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| Wenn die Ernte reich ausfällt, kann eine bäuerliche Familie im Senegal davon ein ganzes Jahr leben. Lange Dürreperioden und die Folgen der Übernutzung der Ackerflächen machen jedoch vielen Bauern einen Strich durch die Rechnung. Vor allem in der trockenen Sahelzone im Norden des Senegal wird das Leben und Überleben zunehmend schwieriger. Immer häufiger sind die Menschen daher auf den Zukauf von Nahrungsmitteln angewiesen, um wenigstens noch eine Mahlzeit am Tag zubereiten zu können. |
| Lebensmittel aber kosten Geld. Zudem sind im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise die Preise auf den lokalen Märkten im Senegal drastisch gestiegen. Grundnahrungsmittel wie Öl, Reis oder Fisch kosten ein Vielfaches mehr als noch vor einem Jahr. Da es auf dem Land keine Industrie und kaum Gewerbe gibt, gehen immer mehr Menschen in der Stadt auf die Suche nach einer bezahlten Arbeit. Mit dem Verdienst unterstützen sie die Verwandten daheim. Es gibt kaum eine Familie in den Dörfern, von der nicht das ein oder andere Mitglied nach Dakar, zumindest aber in die nächste Provinzstadt gegangen ist, um dort zu arbeiten. |
| Auch Frauen und Mädchen sind betroffen |
| Und das bezieht sich nicht nur auf die Männer. Wegen der wirtschaftlichen Not ziehen auch tausende Mütter in die Städte, viele in Begleitung ihrer Töchter. Mädchen, die alt genug sind, werden manchmal sogar allein dorthin geschickt. Als Straßenverkäuferinnen, Hausmädchen, Wäscherinnen oder als Prostituierte arbeiten sie für miserable Bezahlung viele Stunden am Tag oder in der Nacht. |
| Jeder „Cent“ wird nach Hause zur Familie geschickt. Unwissenheit macht die Mädchen zu leichten Opfern für ausbeuterische Arbeitsverhältnisse. Weil sie nichts über ihre Rechte, über Arbeitsschutz und Erholungszeiten wissen, schuften sie oft bis zum Umfallen. Jeder Fehler wird bestraft, wer nicht spurt verliert den Job. Die Arbeitgeber wissen, dass noch Hunderte Schlange stehen für eine Arbeit, und die Mädchen wissen das auch. |



