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Reiseberichte aus aller Welt

Kamerun: Schon Zweijährige werden verheiratet

In Kamerun werden Mädchen gegen Geld zur Ehe gezwungen. Die katholische Kirche hilft durch Aufklärung und Familienprojekte.

Viele Mädchen und junge Frauen in Akwaya tragen T-Shirts mit der Aufklärungsparole gegen die Zwangsehe.
Fotos: Marlies Reulecke

“I want go me school first“ steht auf dem weißen T-Shirt von Anna. Auf Deutsch heißt das, „Ich möchte zuerst zur Schule gehen“. Darunter steht: „Wenn ich groß bin, werde ich meinen Mann auswählen“. Anna ist erst elf Jahre alt, aber sie hat in ihrem Leben schon viel Leidvolles erfahren. Dass sie jetzt dieses T-Shirt trägt, hat eine lange Vorgeschichte.

Anna ist in Akwaya aufgewachsen, einer sehr abgelegenen Region im Westen Kameruns. Die Menschen dort sind sehr arm und leben unter schwierigsten Verhältnissen. In dieser Region halten sich viele Bräuche hartnäckig, auch wenn sie gegen die Menschenrechte verstoßen und offiziell verboten sind. Dazu gehört die Zwangsverheiratung junger Mädchen schon im Kleinkindalter an ältere Männer. So auch bei Anna. Als sie zwei Jahre alt war, wurde ihre Mutter schwer krank. Da die Familie kein Geld hatte, um den Krankenhausaufenthalt zu bezahlen, entschied sie, Anna zu verheiraten. Ein älterer Mann war bereit, den Brautpreis sofort zu zahlen und so wurde Annas Schicksal besiegelt.

“I want go me school first, I go marry after“ – „Ich möchte zuerst zur Schule gehen, danach werde ich heiraten“. Plakate wie dieses sollen auf das Schicksal zwangsverheirateter Mädchen in Kamerun aufmerksam machen.

Als Siebenjährige von der Schulbank zum Ehemann

Als sie sieben Jahre alt war, teilte man ihr mit, dass sie nun nicht mehr in die Schule gehen müsse, da sie verheiratet sei und jetzt zu ihrem Ehemann ziehe. Sie wurde dann in das Haus ihres Ehemannes gebracht. Was sie dort erlebte, war so schrecklich, dass sie nach zwei Jahren weg rannte und zu ihren Eltern zurückkehrte. Diese wurden aber vom Schwiegersohn so unter Druck gesetzt, dass sie Anna wieder zu ihrem Mann zurück schickten. Nach einiger Zeit nahm Anna nochmals Reißaus und meldete sich in der Pfarrei, da sie gehört hatte, dass Mädchen wie ihr dort geholfen werde.

Der Priester setzte sich auch für sie ein, allerdings hat das Leid für sie noch immer kein Ende. Im Elternhaus fristet Anna nun das Dasein einer Geächteten. Sie darf nicht zur Schule gehen und es lastet ein enormer psychischer Druck auf ihr, da ihr Ehemann gedroht hat, die Mutter mit schwarzer Magie umzubringen. Sollte die Mutter wirklich sterben, ist es für alle Beteiligten klar, dass das Annas Schuld ist. Da sie bereits verheiratet ist, hat sie auch keine Chance, später einen anderen Mann zu heiraten. Anna teilt dieses Schicksal mit unzähligen anderen Mädchen in Akwaya.

Gefährlicher Einsatz gegen die Zwangsehe

Dank der Initiative eines Gemeindepriesters wird nun auf das Schicksal dieser Mädchen aufmerksam gemacht. Zunächst stießen die Bemühungen des Priesters auf massiven Widerstand, der bis hin zu einem Anschlag auf sein Leben führte. Seitdem stellen sich jedoch immer mehr Menschen in Akwaya auf seine Seite. Es gibt mittlerweile Freiwilligengruppen und Jugendgruppen in den Schulen, die sich dem Kampf gegen die Zwangsehen verschrieben haben. Überall sind T-Shirts und Poster mit Aufklärungsparolen zu sehen. Auch die Diözese hat ihre Arbeit diesem Kampf gewidmet.

Dr. Marlies Reulecke reiste mit dem Boot in die abgelegene Provinz Akwaya, um sich vor Ort ein Bild von die Situation der Mädchen zu machen.

Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ unterstützt die Aufklärungsarbeit vor Ort und fördert die Armutsbekämpfung in der Region. So sollen künftig Ölpalmen gepflanzt werden, deren Ertrag zum Lebensunterhalt der Familien beitragen soll. An dem Projekt dürfen sich jedoch nur Familien beteiligen, die ihre Töchter zur Schule schicken.

Noch ist es ein langer und mühsamer Weg, denn lang gehegte Denkmuster und Traditionen müssen besiegt werden. Doch die ersten Schritte in die richtige Richtung sind getan.

Dr. Marlies Reulecke

(Marlies Reulecke ist Mitarbeiterin des Missionsärztlichen Instituts in Würzburg. Im Auftrag des Kindermissionswerks reiste sie nach Akwaya, um sich vor Ort ein Bild von die Situation der Mädchen zu machen.)


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