Äthiopien: Hoffnung für Kinder in Addis Abeba
Ordensschwestern unterstützen ehemalige Leprakranke und ihre Familien
Äthiopien gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Fast jeder zweite ist chronisch unterernährt, und selbst in Jahren mit guten Ernten sind Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Trotz Schulpflicht kann mehr als die Hälfte der Äthiopier weder lesen noch schreiben.
In einem Elendsviertel der Hauptstadt Addis Abeba ist die Situation besonders dramatisch: Hier leben viele ehemalige Lepra-Patienten, die sich und ihre Familien notdürftig durch Müllsammeln und Betteln ernähren. Diesen Familien und vor allem den betroffenen Kindern wollte Schwester Senkenesh helfen. Im Januar 1989 eröffnete die äthiopische Ordensfrau in Addis Abeba ein Sozialzentrum. Dort betreuen sie und ihre Mitschwestern jährlich rund 1.000 Familien. Sozialarbeiter besuchen die Menschen darüber hinaus regelmäßig, um die Eltern bei der Erziehung zu unterstützen. Außerdem helfen sie den Familien mit Kleidung, Decken, Seife und Schulmaterialien.
Bildung als Weg aus der Armut
Ein besonderes Anliegen von Schwester Senkenesh ist es, dass die Kinder aus armen Familien regelmäßig zur Schule gehen, denn nur mit einer guten Ausbildung können sie der Armut entkommen. Die Lernbedingungen an den staatlichen Schulen sind jedoch sehr schlecht – in manchen Klassen sind hundert Kinder. Um im Unterricht mithalten zu können, bekommen die Kinder im Projekt täglich zwei Stunden Nachhilfeunterricht. 1.400 Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren nehmen zur Zeit daran teil. 70 Hilfslehrer, die oft selbst als Kinder von dem Programm profitiert haben, unterrichten die Kinder und bilden sich so auch selbst weiter. Viele Kinder haben durch die Schulbildung schon den Teufelskreis der Armut durchbrochen; 37 Absolventen haben es bisher sogar bis zum Hochschulstudium geschafft.
Um die Situation der Familien nachhaltig zu verbessern, vergeben Senkenesh und ihre Mitschwestern Kleinkredite. So können die Menschen kleine Geschäfte eröffnen, um Gewürze, selbst gebackenes Brot und anderes zu verkaufen. Was klein anfängt, trägt oft langfristig Früchte – erste Schritte in eine finanzielle Unabhängigkeit der Familien.
Ein weiterer Schwerpunkt der Projektarbeit ist die Betreuung von etwa 500 Kindern ohne Eltern. Um zu verhindern, dass die Waisen auf der Straße leben müssen, suchen die Schwestern Pflegefamilien, die bereit sind, ein Kind aufzunehmen. Dabei werden sie von Sozialarbeitern intensiv betreut und erhalten eine monatliche Unterstützung für den Lebensunterhalt der Pflegekinder. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ unterstützt die Schwestern in Addis Abbeba bereits seit 1994 in ihrer wichtigen Arbeit.




