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Das Aktionsplakat 2009

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Foto: Rolf Bauerdick/
Kindermissionswerk

Das Plakatmotiv 2009

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Anyi will in Frieden leben

Zum Plakat der Aktion Dreikönigssingen 2009

Anyi Mosquera lebt im Barrio La Fe, ein Wohnviertel, das ständig ertrinkt. Denn ihre Heimatstadt Quibdó liegt im feuchtheißen Dschungel Kolumbiens, in einer der regenreichsten Regionen der Erde.

Weil der mächtige Atrato-Fluss andauernd über die Ufer tritt, haben die ärmsten Familien ihre Holzhütten auf Stelzen gebaut. Dennoch versinkt auch Anyis Heim immer wieder in einer braunen Brühe aus Abfall und Schmutz. „Aber für eine bessere Wohnung hat Mama kein Geld“, sagt die Neunjährige.

Anyi wächst mit ihren sechs Geschwistern bei ihrer Mutter auf. Für die Schule hat das Mädchen kaum Zeit, weil sie auf ihre kleinen Brüder aufpassen muss, während ihre Mutter als Marktfrau arbeitet. Dass ihr Vater einfach verschwand, wie so viele Väter in La Fe ihre Familien im Stich lassen, ist für Anyi ebenso normal wie die regelmäßigen Überschwemmungen. Doch es gibt etwas, mit dem sich Anyi nicht abfinden will: „dass wir Kinder  hier Angst haben müssen, weil die Älteren immer streiten und kämpfen.“ Denn schlimmer als die Gewalt des Wassers ist die Gewalt unter den Menschen.

„Tomás! Tomás!“ Dutzende Jungen und Mädchen aus La Fe springen auf die Straße, wenn sie das Geknatter von Thomas Hofmanns Motorrad hören. Auch Anyi sucht die Nähe des deutschen Sozial arbei - ters. Er ist einer der wenigen Menschen in Quibdó, den das Schicksal der Kinder nicht gleichgültig lässt. Früher kümmerte sich der 57-Jährige in Kassel um Jugendliche, die in den Sog von Drogen gerieten. Seit fünf Jahren arbeitet er als Friedensdienstler in Kolumbien. In einem gefährlichen Milieu, das durch Waffen und Drogen, Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit geprägt ist, kämpft Tomás für jene Kinder, die andere längst aufgegeben haben.

Der deutsche Sozialarbeiter Thomas Hofmann kümmert sich um die Kinder in Quibdó.

„Manchmal reicht schon der Streit um ein Stück Brot, und die Kids explodieren“, muss Tomás immer wieder erfahren. „Dann gehen sie hoch, von Null auf Hundert. Dazwischen gibt es nichts. Konflikte auf friedliche Weise zu lösen, das müssen sie erst lernen.“

Viele Jugendliche finden trügerischen Halt und falsche Geborgenheit in den Pandillas, den Banden. Bewohner in Quibdó schimpfen diese Jungen und Mädchen „los inutil“, die Unnützen, die stehlen und rauben, manchmal sogar töten und getötet werden. „Aber Messer und Pistolen sind schlecht“, bekunden Anyi und ihre Freundinnen. „Wir möchten lieber, dass die Menschen freundlich zueinander sind.“

In dem Idealisten Tomás finden die Kinder einen Wegbegleiter, der statt auf die Sprache der Gewalt auf Wohlwollen und Verständnis setzt. Dazu braucht es viel Geduld, aber auch klare Worte, die Orientierung stiften. „Nur wenn man den Kindern nicht als Feind, sondern als Freund begegnet, lernen sie friedfertig und verantwortungsvoll miteinander umzugehen. Nur so lässt sich verhindern, dass sie erst gar nicht in den Teufelskreis aus Drogen und Gewalt hineingeraten.“

Rolf Bauerdick (Text und Fotos) war für das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ im Frühjahr 2008 in Kolumbien und hat zahlreiche Projektpartner besucht.

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