Materialien St. Martin 2010
Meins wird deins
Kleider teilen zu Sankt Martin
Eine Sammelaktion des Kindermissionswerks und der aktion hoffnung
Auguste erzählt
Wir sind nicht nur stark und schnell, sondern auch klug. Und wir haben einen tollen Orientierungssinn – fast wie ein Navigationsgerät! So finden wir unseren Weg durch die ganze Welt. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich außerdem aus einer ganz besonderen Familie der Wildgänse komme. Warum das so ist, will ich Euch gern erzählen!
Vor vielen, vielen Jahren – es sind genau 1.628 – landeten meine 10 × Ur-Ur-Ur-Großmutter Genoveva und mein 10 × Ur-ur-ur-Großvater Willibald nach einer langen Reise in einer Stadt in Frankreich. Die Stadt hieß Tours (sprich: Tuur). So heißt sie übrigens heute noch. Tours hatte eine wunderschöne Kathedrale. Leider gab es damals keinen Bischof, der sich für die Menschen in der Stadt eingesetzt und ihnen geholfen hätte. Wie in jeder Stadt auf der Welt gab es dort nämlich nicht nur Menschen, denen es gut ging, sondern auch viele, die keine Arbeit fanden, die Hunger und kein Dach über dem Kopf hatten. Von einem Bischof versprachen sich die Leute Hilfe. Aber wo sollten sie einen Menschen finden, der gerecht war, der mit den Armen teilte und sich um sie kümmerte?
Könnt Ihr Euch denken, was passierte, und wer ihnen in den Sinn kam? Genau: Sie dachten an Martin. Von ihm hatten sie schon viel Gutes gehört. Fällt Euch auch eine Geschichte ein, die von Martin erzählt wird?
Diesen Martin wollten die Einwohner von Tours holen und zu ihrem Bischof machen. So machten sich ein paar Leute auf, um Martin in seinem Kloster abzuholen. Dorthin hatte er sich eigentlich zurückgezogen und lebte bescheiden, um ganz für Gott da zu sein. Martin wollte nicht Bischof werden! Mit einer List lockten die Leute Martin aus dem Kloster. Was hatten sie sich wohl ausgedacht?
Nun, ich will es Euch verraten: Sie erzählten Martin, dass eine kranke Frau dringend seine Hilfe bräuchte. So ging Martin mit in die Stadt Tours, wo alle Menschen auf dem Marktplatz auf ihn warteten. Ihr könnt Euch vorstellen, wie erschrocken Martin war, als er all die vielen Menschen sah! Es gab ein Gedränge und Geschiebe auf dem Platz, und in einem unbemerkten Augenblick konnte Martin wegschleichen. Er suchte ein Versteck und fand – jawohl – genau den Gänsestall, in dem meine Wildgans-Vorfahren sich bei ihren Freunden, den Stadtgänsen, von den langen Flügen ausruhten.
Im ersten Moment wussten die Gänse im Stall gar nicht, was los war. Sie sahen, wie die Menschen nach Martin suchten und hörten, wie sie nach ihm riefen. Da erkannten sie, wie wichtig es für die Menschen war, dass Martin ihr Bischof würde und fingen laut an zu schnattern und aufgeregt mit den Flügeln zu schlagen. Könnt Ihr Euch denken, was dann geschah?
Genau – die Menschen fanden Martin im Gänsestall. Da musste er einsehen: Wenn Gott will, dass ich für die Menschen ein guter und gerechter Bischof werde, dann darf ich mich nicht länger verstecken. So stellte sich Martin seiner Aufgabe. Er wurde ein guter und gerechter Bischof, der sich besonders um die benachteiligten Menschen kümmerte.
Und meine Vorfahren? Die haben alles mit angesehen und immer weiter erzählt, so dass ich es Euch heute erzählen kann. Darauf waren sie sehr stolz, und Martin war ihnen nie böse, dass sie ihn durch ihr Schnattern und Flügelschlagen verraten haben. Seit dieser Zeit fliegen die Gänse aus meiner Familie als Boten durch die ganze Welt. Sie schauen besonders, wie es den Kindern geht und wer vielleicht einen anderen braucht, der sich für ihn einsetzt und gerecht handelt – wie der heilige Martin.
Am liebsten würde ich Euch gleich auch noch von meiner letzten Reise nach Sizanani
(sprich: Sisanani) in Südafrika erzählen, aber – gähn – jetzt wird erst mal ein Ründchen geschlafen. Kommt einfach morgen wieder her!
Tschüss Kinder –
und bis bald!
Eure
Auguste






