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Auguste reist nach Sizanani

Jedes Jahr juckt es mich plötzlich in meinen Federn! Dann packt mich die Reiselust, und ich muss los. Es geht einfach nicht anders, meine Flügel wollen sich bewegen – und ab geht es in die weite Welt.

Diesmal war ich in Afrika! In Sizanani (sprich: Sisanani), einem Zentrum für behinderte Kinder in Südafrika, habe ich Jonathan getroffen, einen deutschen Praktikanten.
Ich sag’ euch: Südafrika - das ist selbst für mich eine sehr weite Reise. Ich war schon den ganzen Tag geflogen und suchte nach einem guten Plätzchen für die Nacht. Plötzlich sah ich unter mir so ein komisches Muster! Was war das? So etwas hatte ich ja noch nie gesehen! Da musste ich doch mal näher ran und mir die Sache genau ansehen. Gedacht, getan: Ab in den Landeanflug und runter! Da lachten doch Kinder – das machte mich nun erst richtig neugierig.

 

Jonathan: »He, wo kommst du denn her?«

Vor Schreck hätte ich beinahe eine Bruchlandung hingelegt. Da steht doch gleich neben meinem Landeplatz ein junger Mann und – ich krieg den Schnabel nicht mehr zu – der spricht ja Deutsch!

Auguste: »Wo ich herkomme? Was für eine dumme Frage? Hast Du ja wohl gesehen, das ich geradewegs von oben herabgeflogen bin. Und außerdem, wer bist du denn überhaupt und was machst du hier?«

Jonathan: »Ich bin Jonathan, und ich bin hier in Sizanani ein paar Monate zu Gast. Hier arbeiten viele Menschen aus der Umgebung von Sizanani, und ich darf sie unterstützen und von ihnen lernen.«

Auguste: »Sizanani? Was ist das denn für ein komischer Name?«

Jonathan: »Nun, Sizanani ist Zulu (sprich: Sulu), eine Sprache, die man hier spricht. Es heißt: ›Lasst uns einander helfen!‹ Hier leben nämlich behinderte Kinder und junge Erwachsene, die Hilfe brauchen.«

Auguste: »Dann bin ich hier ja genau richtig. Darf ich mich vorstellen? Ich heiße Auguste und bin quasi im Auftrag des heiligen Martin unterwegs. Auf meinen Reisen bin ich immer auf der Suche nach Menschen, für die ich Alarm schlagen kann, damit ihnen geholfen wird. Lass uns gleich losgehen! Ich will mir alles ansehen!«

Jonathan: »Immer langsam. Ich komm’ ja kaum mit! Weißt du was? Wir gehen direkt zum Kinderhaus. Da wollte ich sowieso gerade hin. Mal sehen, ob wir die kleine Kgotso (sprich: Chotzo) treffen. Sie ist gerade mal vier Jahre alt und noch nicht lange hier.«

Jonathan: »Ah, da sitzt sie ja! Sei ein bisschen vorsichtig, wenn du zu ihr gehst, denn Kgotso erschrickt leicht. Du musst wissen, dass sie gar nichts sehen kann. Sie ist blind. Wahrscheinlich wird sie auch nie sprechen oder laufen lernen.«

Ist doch klar, dass ich auf Jonathan gehört habe. Ganz vorsichtig bin ich zu Kgotso gewatschelt. Sie hat sich nicht erschreckt, als ich ihr ganz sanft mit meinen Flügelfedern über den Arm gestrichen habe. Ich glaube sogar, sie hat es gemocht, denn ich konnte sehen, wie sie gelächelt hat. Das hat mich ganz froh gemacht. Ich fragte Jonathan: »Was macht ihr denn hier in Sizanani, damit es den behinderten Kindern besser geht?«
»Komm, ich zeig’ dir wie sie hier leben und was wir hier tun, um Kindern wie Kgotso zu helfen,« sagte Jonathan. Und ihr glaubt nicht, was ich alles gesehen habe!

Überall waren Kinder. Viele von ihnen saßen in Rollstühlen. Sie freuten sich, mit Jonathan und mir zu sprechen. Auf einmal hörte ich aus einem Haus Gesang und Trommeln. Da musste ich doch gleich mal meinen Schnabel durch die Tür stecken… Am liebsten hätte ich gleich mitgetrommelt! Doch plötzlich war Jonathan weg. Wo steckte er bloß? Zwischen den vielen Häusern und Höfen kannte ich mich doch gar nicht aus! Ihr glaubt nicht, wo ich ihn schließlich gefunden habe – im Schwimmbecken! Hier hatten die Kinder unglaublichen Spaß. Immer wieder half Jonathan ihnen, die Wasserrutsche rauf und runter zu klettern. Und ich? Na klar, ich bin auch schwimmen gegangen. Herrlich, sage ich Euch!

Spät am Abend, als alle schon im Bett lagen, habe ich mit Jonathan auf der Wiese gelegen. »Weißt du«, meinte er, »hier in Südafrika gibt es für behinderte Kinder nur ganz wenige Kindergärten und Schulen. Für Kinder wie Kgsotzo ist es ein Segen, dass es Orte wie Sizanani gibt. Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich sicher ganz vielen Menschen von Sizanani erzählen – und davon, wie dringend die Kinder hier unsere Unterstützung brauchen.« Da war ich sofort wieder hellwach! »Na, du bist gut! Wir können doch nicht alle hier nach Sizanani kommen, so wie du und ich! Wie stellst du dir das denn vor?« Jonathan lachte nur. »Das geht natürlich nicht, aber dir fällt ganz bestimmt noch was ein. Gute Nacht, Auguste!« »Gute Nacht Jonathan, schlaf gut!«

Am liebsten wäre ich noch lange in Sizanani geblieben. Aber es juckte mich schon wieder in den Federn. Ich wollte nach Hause, zu Euch! Hier bin ich also. Diese Kinder brauchen mich, Auguste. Eine Gans, die Alarm schlägt und Euch ihre Geschichte erzählt. Die Kinder hier in Sizanani und an vielen anderen Orten auf der Welt brauchen unsere Hilfe, damit sie spielen und glücklich sein können.