„Maschine des Lichts“ rettet
Begeisterndes Reality-Game bei den Bistumsjugendtagen
„Kommt nach Lumenor, findet die Schlüssel, beendet das Leiden!“ So lautete der Aufruf des „Weisen“ zu den Bistumsjugendtagen des Erzbistums, die am vergangenen Wochenende im Zinnowitzer St.-Otto-Heim stattgefunden haben. Rund 630 Jugendliche aus den Gemeinden in Vorpommern, Brandenburg und Berlin sind dem Aufruf gefolgt.
Damit nahmen sie am Reality-Game „Mastery of Light“ teil. Ziel war es, eine geheimnisvolle „Maschine des Lichts“ zu finden, die Schrecken und Leid auf Erden vermindern könne. Doch einfach in den Wald strömen, um sie zu suchen, konnten die zwölf- bis Mitte 20-jährigen Teilnehmer nicht. Zuerst galt es, wie in einem Computerspiel verschiedene Aufgaben zu lösen, um sich als Gruppe mit den nötigen Punkten nachmittags mit anderen Gruppen zu einer Gemeinschaft zusammen zu schließen und sich für das Finale zu qualifizieren.
Dafür durfte sich jeder Teilnehmer einen „Charakter“ aussuchen: Er oder sie konnte Heiler, Priester, Prophet, Kundschafter, Waldläufer, Baumeister oder Gaukler sein. Die Aufgaben reichten vom Bau eines Altars durch die Baumeister für den Strandgottesdienst am Sonntag über einen Morsekurs für die Kundschafter bis hin zur Instrumenten-Werkstatt für Gaukler. Doch auch das Essen mussten die Jugendlichen für ihre Gruppe durch so genannte Energizer, Energie-Stationen, verdienen. Hier sollten sie zum Beispiel ohne Hilfsmittel wie Feuerzeug oder Streichhölzer Feuer machen, eine Kartenhütte bauen oder sich mit afrikanischen Riten vertraut machen.
Viele der Teilnehmer waren am Freitagabend skeptisch, als sie durch das „Tor zu Lumenor“ schritten. „Man wusste halt nicht genau, worum es geht“, resümierte die 17-jährige Beatrix Bau, und ihre Freundin Johanna Bollerey aus Berlin-Köpenik ergänzte: „Aber die Idee ist genial und sehr umfangreich.“ Auch die 15-jährige „Gauklerin“ Edytha Matyjaszewska war anfangs eher zurückhaltend. „Ich finde es aber gut, dass man sich das Essen zum Beispiel erspielen muss, und ich habe viele neue Leute kennen gelernt“, räumte die Stralsunderin ein, die zum ersten Mal an den Bistumsjugendtagen teilnahm.
Spaß haben und lernen
Spaß brachten die Tage in Zinnowitz allemal. So konnten die „Heiler“ bei der Station von Daniela Dicker vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ Heilerde ausprobieren. Doch nicht nur der Spaß stand im Vordergrund. Die Jugendlichen erfuhren an den diversen Stationen Wissenswertes über Riten sowie über Krankheiten und deren Prävention in Afrika. „Die Jugendlichen sind erstaunlich interessiert, obwohl gerade die Krankheiten ein relativ dröger Stoff sind“, erzählte Daniela Dicker.
„Es ist mal was anderes. Man wird von der eigentlichen Gruppe erst einmal getrennt und lernt neue Leute kennen. Oft kommt es dadurch zu spannenden Konstellationen“, meinte die 23-jährige Izabela Kozlik aus Berlin-Spandau, die als „Heilerin“ unterwegs war. Am frühen Nachmittag hatte sie es mit ihrer Gruppe aus dem Dekanat Spandau dann auch geschafft und war mit Hilfe eines GPS-Gerätes quer durch den Wald um das St.-Otto-Heim unterwegs auf der Suche nach einem Schlüssel für die „Maschine des Lichts“.
Nachdem sie diesen endlich gefunden hatten, waren alle, die sich zum Abschluss am Ostseestrand von Zinnowitz eingefunden hatten, natürlich neugierig zu erfahren, was denn nun diese geheimnisvolle Maschine sei. Mit viel Spannung öffnete der „Weise von Lumenor“ die Truhe und enthüllte eine durch zwei Solarmodule betriebene Anlage, die autark Licht produzieren kann.
„Wir wussten bei der Planung auch erst nicht, in welche Richtung die diesjährigen Bistumsjugendtage gehen sollen. Klar war, dass wir das Computer-Spiel-Prinzip aufgreifen wollten“, berichtete der Referent im Erzbischöflichen Amt für Jugendseelsorge (EAJ), Helmut Jansen. Doch dann stießen die Organisatoren vom EAJ und vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend Berlin (BDKJ) während der Vorbereitung der Tage auf ein Projekt des Kindermissionswerkes „Die Sternsinger“. Im Dezember 2009 begann das Hilfswerk das Projekt „Aktion Lichtbox“ für Ghana, indem eben diese autonom funktionierenden Lichtmaschinen für Operationssäle in Ghana gefördert werden sollten, um nächtliche Operationen zu gewährleisten und häufig auftretende Todesfälle bei eben solchen zu verhindern.
Die Jugendlichen in Zinnowitz waren positiv überrascht, als sie den realen Hintergrund ihrer „Maschine des Lichts“ erfuhren. Noch überwältigender war dann die Öffnung des Zeitfensters: Mit Hilfe des Technischen Hilfswerkes und zweier Wasserflugzeuge wurde die Lichtbox abgeholt und symbolisch nach Ghana geflogen.
Film zum Presseartikel auf youtube.com
Text und Fotos: Anja Goritzka, Katholische SonntagsZeitung für das Erzbistum Berlin, Nr. 25, S. III




