Sternsinger-Blog
Jonathan Kempen berichtet von seinen Erlebnissen im Projekt Sizanani im Sternsinger-Blog >>
Artisten des Zirkus Zip Zap besuchen Sizanani, ein Projekt für behinderte Kinder
Eine Zirkusshow ohne Strom und Akrobatik im Rollstuhl
„Die erste Begegnung kann sehr überwältigend sein“, bereitet Physiotherapeutin Emma die Gruppe vorsichtig auf den nächsten Tag vor. „Viele der Kinder und Jugendlichen sind körperlich und geistig sehr stark eingeschränkt, einige können sich nur mit Lauten verständigen.“ „Kein Problem“, entgegnet Romy selbstbewusst, „ich bin selbst Autistin.“ Die 18-Jährige ist Artistin bei Zip Zap, einem Zirkus in Kapstadt. Ihre Spezialität: der Tuchakt in luftiger Höhe.
Gemeinsam mit ihren beiden Schwestern Amy (16) und Lisa (13) und 19 weiteren Zirkusartisten ist sie nach Sizanani nahe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria gereist. Nach ihrem Besuch beim Training der deutschen Nationalmannschaft übernachten die Zirkuskünstler in dem Projekt für „besondere Kinder“, wie Leiterin Zsoka Magyarszeky ihre Schützlinge liebevoll nennt. Am nächsten Morgen wollen die Zirkuskünstler den Kindern und Angestellten der Einrichtung ihre bunte Zirkusshow präsentieren.
8 Uhr morgens: Während es auf dem riesigen Projektgelände noch sehr ruhig zugeht, stärken sich die Zirkuskünstler beim Frühstück – und stellen einen Notfallplan auf. Denn in der Nacht ist der Strom ausgefallen und noch immer nicht wieder da. Das heißt improvisieren, denn für fast all ihre Zirkusnummern brauchen die Künstler eigentlich musikalische Begleitung aus der Anlage. Doch Einradfahren, Jonglageakt und Gummistiefeltanz funktionieren auch ohne Musik. „Das wird zwar ein sehr kurzer Auftritt, aber für die Kinder ist es das Highlight des Jahres, also strengt euch an“, instruiert Betreuer Jose seine Gruppe.
Bunt geschminkt und verkleidet warten die Zirkuskünstler wenig später am Eingang des Speisesaals. Nach und nach werden die betreuten Kinder und Jugendlichen an der Hand oder im Rollstuhl hereingeführt. Neugierig mustern sie die lustig angezogenen Besucher, lachen sie an oder winken. Angefeuert von den Kindern und Betreuern folgt eine kurze, aber eindrucksvolle Zirkusshow. Und noch einmal improvisieren die Künstler, als der Beifall und die „Zugabe“-Rufe nicht aufhören wollen. Abwechselnd präsentieren sie weitere Kunststücke: Handstände, Salti und Überschläge und auch die Jonglierkeulen kommen ein zweites Mal zum Einsatz.
Kurze Zeit später werden die Artisten jedoch selbst zu Zuschauern. „Willst du ihnen deinen Trick nicht zeigen?”, fragt Betreuer Zoltan einen jungen Mann im Rollstuhl. Die Zirkusartisten wissen noch nicht, was sie erwartet. Dann geht alles ganz schnell: Zoltan hilft Thabiso dabei, seine schweren Schuhe auszuziehen und in Sekundenschnelle hat sich der 18-Jährige auf den Armlehnen seines Rollstuhls hochgestemmt. Einige Sekunden verharrt er im Handstand, die Zirkuskünstler beobachten ihn mit großen Augen und applaudieren laut.
Wenig später sind Einräder, Keulen und Kostüme wieder verstaut und der Bus kommt, um die Artisten zum Flughafen zu bringen. „Das war die kürzeste Show, die wir jemals hatten – und die erste ohne Strom“, sagt Akrobatin Sinazo. „Aber es hat trotzdem viel Spaß gemacht.“ Auch den Zuschauern wie etwa Thabiso hat es sehr gut gefallen: „Es war sehr schön, dass der Zirkus hier war. Ich freue mich immer sehr, wenn andere Menschen uns besuchen.“ Zum Abschied überreicht Jose der Leiterin Zsoka Magyarszeky eine DVD mit dem Zirkusprogramm. „Super, die können wir zusammen mit den Kindern anschauen“, bedankt sich diese. „Ja, aber nicht alles, schließlich wollen wir auf jeden Fall noch einmal wiederkommen", sagt Jose zum Abschied. „Dann aber mit Strom, damit wir mit unserer kompletten Show auftreten können.“
Susanne Dietmann
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