Kindermissionswerk fürchtet um das Leben brasilianischer Partner

Überfälle und Morddrohungen gegen Projektmitarbeiter in Recife

"TAMBEM SOMOS BRASILEIROS" - "Auch wir sind Brasilianer. Am Rande der historischen Altstadt von Recife liegt das Projekthaus der "Gemeinschaft der Kleinen Propheten".

Vier ermordete Jugendliche, Überfälle und Misshandlungen – alarmierende Nachrichten erreichten das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ aus der brasilianischen Hafenstadt Recife. Unterstützt vom Kinderhilfswerk der katholischen Kirche leitet der engagierte Sozialarbeiter Demétrius Demétrio in Recife die „Gemeinschaft der Kleinen Propheten“, ein Hilfsprojekt zur Resozialisierung von Straßenkindern.

Vier dort betreute Jugendliche wurden in den vergangenen Wochen brutal ermordet. Am 28. November wurde ein Mitarbeiter des Projekts von drei Unbekannten überfallen, seine Tochter (26) und seine sechsjährige Enkelin misshandelt und ausgeraubt. Die Männer waren auf der Suche nach Demétrio und drohten, ihn zu töten. In Sorge um das Leben des Projektpartners und der betreuten Kinder wandte sich das Kindermissionswerk an den Ministerpräsidenten des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco, Eduardo Campos.

Gewalt gegen Straßenkinder
Die Gewalttaten gegen Demétrio und seine Mitarbeiter richten sich gegen den Plan, auf einem Hof außerhalb Recifes ein Projekt für 70 Straßenkinder aufzubauen. Die Regierung von Pernambuco hatte die Finanzierung und Förderung eines professionellen Teams aus Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeitern bereits zugesagt, auch die Kosten für Unterrichtsmaterialien, Workshops und Verpflegung wollte sie übernehmen. Im Januar 2010 sollte das Projekt starten – doch nach den jüngsten Gewalttaten kann niemand die Sicherheit der Jugendlichen garantieren, und das Projekt ist in Gefahr.

Trauriger Alltag in Recife: Statt eines Zuhauses haben viele Kinder und Jugendliche nur ein Stück Wellpappe, mit dem sie sich nachts gegen Kälte und Übergriffe zu schützen versuchen. Fotos: Susanne Dietmann

Den Straßenkindern in Recife bietet das Hilfsprojekt eine Chance, dem Kreislauf aus Drogen, Gewalt und sexuellem Missbrauch zu entkommen. Die Organisation betreut mehr als 400 Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben. Neben einer medizinischen Grundversorgung bietet sie Trommelworkshops und Malkurse an und ermöglicht durch Unterricht und berufsbildende Kurse einen Wiedereinstieg in die Gesellschaft.

Tötet meine Kinder nicht!
Im Jahr 1992 initiierte die „Gemeinschaft der Kleinen Propheten“ die landesweite Kampagne „Tötet meine Kinder nicht!“, um die Ermordung von Kindern und Jugendlichen in Recife ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. 2008 erhielt die Organisation den „Millenniums-Entwicklungsziele-Preis“ der brasilianischen Regierung und der Vereinten Nationen. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ unterstützt die Arbeit der „kleinen Propheten“ seit rund zwanzig Jahren. Msgr. Winfried Pilz, Präsident des Kindermissionswerks, und weitere Mitarbeitende haben das Projekt in der vergangenen Zeit wiederholt besucht.

Wer den Protest gegen die Gewalttaten unterstützen möchte findet hier>> weitere Informationen.