„Eine Offenbarung, wie Menschen bis heute leben müssen“

André de la Chaux hilft als Freiwilliger in einem Kinderprojekt in Kambodscha

André de la Chaux spielt mit den Kindern des Don Bosco Projekts Fußball. Foto: Kindermissionswerk/Projektpartner
André de la Chaux zeigt vor seiner Ausreise nach Kambodscha auf der Weltkarte, wohin seine Reise gehen wird. Foto: Susanne Dietmann

„Den Verlauf der so genannten Straße erkenne ich nur daran, dass sich auf ihr im Gegensatz zu den Straßenrändern keine Hütten aus Plastikplanen und Müll befinden. Und erst auf den zweiten Blick erkenne ich, dass es sich hier nicht um von Kindern gebaute Buden handelt. An den kleinen Gesichtern, die mich mit großen Augen anschauen, wird mir klar: Das sind Wohnhäuser, hier leben wirklich Menschen." Das sind die ersten Eindrücke von André de la Chaux in Poipet in Kambodscha.

Der 26-jährige Osnabrücker schloss im September sein Studium der Sozialen Arbeit ab und ging Anfang Oktober als Freiwilliger des Kindermissionswerks „Die Sternsinger" in das südostasiatische Land. Dort lebt er im Ausbildungszentrum der Salesianer Don Boscos in der Stadt Poipet und hilft mit, Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Die bittere Armut ist für André noch nicht begreifbar. Ein Gang durch die Straßen Poipets ist für ihn „eine Offenbarung, wie Menschen bis heute auf unserem Planeten leben müssen", sagt er.

Drehscheibe des Menschenhandels
Das Elend im Grenzort zwischen Kambodscha und Thailand ist gewaltig. Die Menschen kämpfen ums Überleben und viele müssen hungern. Aus dieser bitteren Armut heraus sind auch die Kinder gezwungen, zu arbeiten und Geld nach Hause zu bringen. Sie sammeln Müll, schleppen auf Holzkarren Koffer, Lebensmittel oder Haushaltswaren. Häufig sehen Eltern nur eine Chance darin, ihre Kinder in fremde Hände zu geben. Dem Versprechen, ihr Kind bekomme Arbeit und etwas zu essen, folgt oft das Gegenteil. Poipet hat sich in den letzten Jahren zu einer Drehscheibe des Menschenhandels entwickelt. Viele Kinder werden über die Grenze nach Thailand geschafft. Dort werden die Jungen in organisierten Bettlerbanden oder auf Fischkuttern ausgebeutet. Die Mädchen werden zur Prostitution gezwungen und sind täglich vielerlei Gewalt ausgesetzt.

Mehr als 70 Prozent der Kinder in Poipet sind nie zur Schule gegangen oder sie haben diese abgebrochen. Genau diese Kinder kommen ins Don Bosco-Center, in dem André de la Chaux den Kindern Englisch vermittelt. Da die Kinder Khmer sprechen, was André nicht beherrscht, ist es immer wieder mal knifflig für den jungen Deutschen, die Sprachhürden zu überwinden.

Dienstausweis wichtiger als Reisepass
Im Ausbildungszentrum erhalten die Kinder eine Schulausbildung und die Jugendlichen haben die Möglichkeit, in zwei Jahren einen handwerklichen Beruf zu erlernen. Während die Jungen Elektriker, Mechaniker oder Schweißer werden, bevorzugen die Mädchen es, Schneiderin zu werden. Die Abschlüsse dieser Schul- und Berufsausbildungen sind im gesamten Land geachtet und haben ein großes Ansehen des Ausbildungszentrums im Umkreis zur Folge. Viele Auszubildenden erhalten nach dem Abschluss eine feste Arbeit - angesichts der schwierigen Situation, aus der die Kinder kommen, ein großer Erfolg. Und auch für den jungen Deutschen ist der Dienstausweis des Ausbildungszentrums eine gute Visitenkarte. Als die Polizei ihn auf der Straße anhält und ihn fragt, was er in Poipet tue, zählt der Dienstausweis des Zentrums mehr als der deutsche Reisepass, glaubt André zu spüren.

Trotz mancher schwieriger Situationen, die er in einer gänzlich anderen Kultur bewältigen muss, gibt es für den deutschen Freiwilligen viele schöne Momente, die er erlebt. Dazu zählt André vor allem den Unterricht mit den Kindern. Wegen seiner guten Englischkenntnisse betreut er sechs Klassen unterschiedlicher Altersstufen mit insgesamt mehr als 120 Schülern.

„Hello, what´s your name?"
Für den Deutschen ist es eine tolle Erfahrung, wie sich die Kinder sprachlich weiterentwickeln. Es macht ihn stolz, dass die Kinder auf dem Schulhof schon einfache Sätze wie „Hello, what´s your name?" rufen. Teilweise ist es anstrengend in den Klassen mit mehr als 30 Schülern für Ruhe und Disziplin zu sorgen. Trotzdem macht es André großen Spaß, die motivierten und äußerst wissbegierigen Kinder zu unterrichten. Sie wüssten, so meint André, dass Bildung ihre einzige Chance ist, um aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen.

Nach dem Unterricht ist der 26-Jährige noch als Trainer des Fußballteams aktiv. Ein Jahr wird André in Poipet bleiben. Ob er auch mit seinen deutschen Trainermethoden in Kambodscha Erfolg hat, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Bisher ist sein Team von seiner Art des Fußballspiels noch nicht sonderlich überzeugt und bleibt lieber beim altbewährten „Klumpenrennen mit Passspiel zu den besten Freunden". Dennoch merkt André, dass er den Kindern von Poipet viel geben kann und auch vieles von ihnen bekommt.

Weitere Projektfotos von André in Kambodscha>>

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