Interview
„Den Kindern Hoffnung geben“
Ahalya Magdalena Kandasamy ist als Freiwillige des Kindermissionswerks „Die Sternsinger" nach Kolumbien ausgereist. Dort wird die 20-jährige Abiturientin für neun Monate in Florencia in einem Projekt der katholischen Kirche mit Bethlemitas-Schwestern zusammenarbeiten.
Im Interview ein paar Tage vor ihrem Abflug spricht Ahalya, deren Eltern aus Sri Lanka stammen, über den bevorstehenden Abschied, über ihre Erwartungen und darüber, warum sie sich so weit weg von zuhause ehrenamtlich engagieren möchte.
Das Interview wurde gekürzt, >>hier finden Sie die Langfassung.
„Vor den Krabbeltieren ekel ich mich ein bisschen“
Schon bald wirst du im Flieger sitzen - was überwiegt im Moment bei dir: Neugier, Angst, Freude auf die kommende Zeit?
Also Angst hab eher nicht. Es ist die Freude und die Neugier, die überwiegen. Ich möchte endlich anfangen und erleben, wie es dort ist!
Angst hast du gar keine?
Angst habe ich davor, zurückgerufen zu werden, etwa weil es im Land zu gefährlich wird. Das ist meine größte Angst, denn ich würde schon gern die ganze Zeit über da bleiben. Und vor den ganzen Insekten und den Krabbeltieren ekel ich mich ein bisschen...
Wie bereitest du dich auf den Abschied vor?
Einige aus der Pfarrei haben einen Aussendungsgottesdienst organisiert. Anschließend gibt es eine Abschiedsfeier, da kommen dann auch meine Freunde und meine Familie. Ich bin aber, ehrlich gesagt, nicht so der Abschiedstyp.
„Nicht immer nur nehmen, auch mal geben“
Wie stehen deine Familie und deine Freunde zu deiner Entscheidung, einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen?
Die haben das alle sehr begrüßt. Meine Eltern machen sich Sorgen, weil es ja nicht ungefährlich ist. Und auch weil es so weit weg ist und ich so lange nicht zu Hause bin. Meine Eltern hätten sowieso am liebsten immer alle Kinder im Haus... Aber trotzdem sind sie doch stolz auf ihre Kleine. Und auch meine Freunde freuen sich sehr und sind überzeugt, dass der Dienst genau das Richtige für mich ist.
Warum möchtest du dich überhaupt ehrenamtlich einsetzen, welche Rolle spielen Religion und Glaube dabei?
Ich finde es einfach gut, so etwas zu machen. Wir hier in Deutschland haben die Möglichkeit und sollten sie deswegen auch nutzen. Eine interessante Art, mal etwas Gutes tun, mit anderen Worten: Nicht immer nur nehmen, sondern auch mal geben.
Vor meiner Ausreise lasse ich mich taufen, dazu passt der Dienst sehr gut. Denn ich hatte keine christliche Erziehung, wie es vielleicht sonst in anderen Familien üblich ist. Doch in dem Projekt arbeite ich mit Ordensschwestern zusammen, und von ihnen werde ich bestimmt noch viel lernen können, auch spirituelle Dinge.
„Ich bin nicht verwöhnt, aber wählerisch“
Auf welche Schwierigkeiten könntest du stoßen?
Also beim Essen gibt es bestimmt Schwierigkeiten. Ich bin nicht verwöhnt, aber schon etwas wählerisch: Ich esse keinen Käse, keine Meeresfrüchte und keinen Fisch. Aber da muss man sich halt anpassen. Abgesehen davon könnte am Anfang die Sprache eine Schwierigkeit darstellen. Nach einiger Zeit wird sich das aber wieder legen. Ich glaube, mich in das Projekt einzubringen wird mir bestimmt nicht sehr schwer fallen, da ich die Arbeit recht gut kenne, dank Ursula Klaff, meiner Mentorin von der Pfarrei St. Georg. Sie hat mich von Anfang an begleitet und in dem Vorhaben mit ganzem Herzen und vollem Einsatz unterstützt.
Was wird deine Aufgabe im Projekt sein?
Ich denke, ich werde den Schwestern bei der ganz praktischen Alltagsarbeit helfen. Es geht mir auch nicht darum, groß etwas zu verändern, sondern viel mehr darum, einfach dabei zu sein, helfen zu können, wo Hilfe nötig ist, und vor allen Dingen viel Zeit mit den Kindern zu verbringen.
Was möchtest du erreichen in Kolumbien, welche Ziele hast du dir gesteckt?
Im Projekt werde ich auf viele Menschen treffen, die schlimme Dinge erlebt haben. Besonders die Kinder, die schon früh sehr viel Elend gesehen haben. Und ich möchte, dass die nicht aufgeben, sondern irgendwo sehen, dass es weitergehen kann. Dass man hochschauen kann und weiß, dass dort ein Ziel ist, dass man an etwas glauben kann und dass du nicht enttäuscht wirst. Ich würde ihnen gerne die Hoffnung geben, dass sie nicht verzweifeln, sondern weiterkämpfen. Und das ist das Wichtigste – egal was passiert und wie viele Rückschläge man einsteckt. Und dafür braucht man viele helfende Hände anderer.
Interview: Dominic Winkel
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