„Aberglaube und Heidentum sind noch immer weit verbreitet“

Projektpartner in Tansania schützt Kinder mit Albinismus

48 Kinder und Frauen mit Albinismus hat Pater Theo Call aufgenommen. Das Gelände wird von Sicherheitsleuten bewacht.
Fotos: Jens Grossmann

„Hier sagt man nicht, wir haben Platz für 40 oder 50 Kinder. Nein, hier sagt man „Wir haben Platz für alle“, schreibt Pater Theo Call aus Tansania in einem Brief an das Kindermissionswerk. Und das, obwohl seine Behinderten- und Blindenschule in Kabanga aus allen Nähten platzt. Zusätzlich zu den 30 blinden und 45 behinderten Kindern, die in der Einrichtung betreut werden, hat der deutsche Missionar in den vergangenen Monaten 48 Menschen mit Albinismus aufgenommen: Albinomütter mit ihren dunkelhäutigen Kindern und dunkelhäutige Mütter mit „weißen“ Kindern.

Mehr als 40 Opfer in den vergangenen 18 Monaten
Die Polizei bringt die Menschen in die Einrichtung des Missionars, um sie vor Übergriffen zu schützen. Mehr als 40 Menschen mit Albinismus wurden in den vergangenen 18 Monaten in Tansania getötet – aus Angst sie seien verhext und würden Unheil bringen – oder aber, weil sogenannte Wunderheiler die Körperteile der Albinos für horrende Summen als „Glücksbringer“ verkaufen. „Früher haben Albinos Schutz vor der Sonne gesucht; heute verstecken sie sich, um zu überleben“, so Pater Call. „Aberglaube und Heidentum sind hier noch immer weit verbreitet.“

Kinder mit und ohne Albinismus leben hier zusammen.
Viele Mütter sind mit ihren Kindern, die an Albinismus leiden, hierher geflohen.

Im Juni 2009 wurden in Tansania erstmals sieben Menschen wegen Mordes an Menschen mit Albinismus vor Gericht gestellt. Theo Calls Schule wird inzwischen nachts von der Polizei überwacht. „Unsere Schule ist kein Gefängnis, aber frei bewegen können sich die Albinos nicht. Es wäre viel zu gefährlich, das Gelände zu verlassen.“ Der Missionar hat nun einen Antrag für den Bau eines zusätzlichen Schlafsaals an die tansanische Regierung gestellt, in dem die Mütter mit ihren Kindern unterkommen können. „Es kommen ständig neue Kinder und Mütter dazu. Wie viele es am Ende werden weiß keiner“, so Pater Call.


In Tansania leben rund 17.000 Menschen mit Albinismus
Schätzungen zufolge leben rund 17.000 Menschen mit Albinismus in Tansania. Aufgrund einer Pigmentstörung haben sie eine hellere Haut-, Haar- und Augenfarbe. Oft sind Menschen mit Albinismus auch sehbehindert, da ihre Augen sehr empfindlich auf Sonnenlicht reagieren. Albinismus kommt beim Menschen weltweit mit einer Häufigkeit von 1:20.000 vor, in Afrika liegt die Häufigkeit bei 1:10.000 und höher.