Gewalt auf den Straßen

Honduras kommt nicht zur Ruhe

Anhänger von José Manuel Zelaya protestieren für die Rückkehr des gewählten Präsidenten in sein Amt. Zelaya war am 28. Juni nach einem Militärputsch außer Landes gebracht worden.
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Auf den Straßen von Honduras herrscht Chaos, das Land ist gespalten: Die einen wollen Präsident José Manuel Zelaya zurück, der am 28. Juni nach einem Militärputsch außer Landes gebracht wurde. Mit Protestmärschen, Barrikaden und einem Generalstreik kämpfen Zelayas Anhänger für die Rückkehr des gewählten Päsidenten. Seine Gegner werfen ihm vor, gegen die Verfassung verstoßen zu haben und unterstützen den Umsturz. Übergangspräsident Roberto Micheletti hat zwar eine Ausgangssperre verhängt und große Versammlungen verboten, die Unruhen auf den Straßen nehmen jedoch täglich zu. Immer öfter kommt es dabei auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.


Sr. Martha Deyanire Frech López von der Kongregation der „Misioneras de la Caridad y la Providencia" und Projektpartnerin des Kindermissionswerks, berichtet von den schlimmen Zuständen in Honduras. In San Pedro Sula, einer Stadt im Osten des Landes, leitet die Ordensschwester eine Vor- und Grundschule für Kinder aus armen Familien. Sr. Martha schreibt:

„Am 28. Mai hat ein Erdbeben der Stärke 7,5 Honduras erschüttert. Es hat Brücken, Straßen und Häuser zerstört und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Auch unsere Schule hatte nach dem Erdbeben Risse in den Wänden und Fußböden. Aus Angst behielten die Eltern ihre Kindern zuhause.

Einen Monat später, am 28. Juni, schockierte der Staatsstreich die Menschen. Schon früh morgens flogen Helikopter und Flugzeuge in Richtung der Hauptstadt Tegucigalpa. Auch über dem Industriezentrum San Pedro, wo unsere Schule liegt, waren Beobachtungsflugzeuge zu sehen. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt ohne Strom. Niemand wusste, was los war; es gab keine offiziellen Informationen, nur das, was man sich auf der Straße erzählte. Die Menschen waren völlig verängstigt. Unter dem Chaos, den Gerüchten und der allgegenwärtigen Angst litten besonders die Kinder: Wieder konnten sie nicht zur Schule gehen, spielen und sich frei bewegen; die Eltern ließen sie nicht aus dem Haus.

Seit den ersten Tagen des Putsches hat die Gewalt auf den Straßen erschreckend zugenommen. Am schlimmsten aber sind die entmutigten und traurigen Gesichter der vielen Mütter, die wegen der Krise ihre Arbeit verloren haben. Ihnen fehlt das Nötigste zum Leben: Essen, Kleidung, Medizin... Viele Supermärkte bleiben wegen der Revolten und Demonstrationen geschlossen. Viele große Firmen entlassen ihre Arbeiter, weil sie nichts mehr exportieren können.

Wir helfen den armen Familien unserer Kinder und den Lehrern und Angestellten unserer Schule mit den Lebensmitteln, die wir für den Monat gekauft hatten. Wir Schwestern werden den Unterricht so lange weiter führen wie es geht und die Kinder und ihre Familien unterstützen. Das gelingt uns Dank der Hilfe unserer Freunde und der Großzügigkeit der Kinder in Deutschland und ihrer Eltern, die das Kindermissionswerk unterstützen!"