01.01.1970
Hunderttausende auf der Flucht
Nothilfe für die Menschen im Norden Sri Lankas
Lebensmittel, Trinkwasser, Babynahrung, Decken, Kleidung, Moskitonetze und Medizin - im November 2008 hat das Kindermissionswerk angesichts der großen Not der Menschen im Norden Sri Lankas 60.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Das Geld ging zu gleichen Teilen an das Human Development Centre (HUDEC) und die Oblatenmissionare in der Diözese Jaffna. Mitten im umkämpften Norden der Insel konnten die Partnerorganisationen mit dem Geld vertriebenen Kindern und Müttern helfen. Die Hilfe kam an – direkt und unmittelbar.
„Die Situation wird jeden Tag schlimmer“
„Ihre schnelle Hilfe werden die Menschen nie vergessen“, schrieb Oblatenpater A. Jeevendra Paul vor wenigen Tagen in einem Brief an das Kindermissionswerk. „Doch die Situation wird jeden Tag schlimmer. Jetzt können wir den Verletzten, Hungernden und Obdachlosen noch nicht einmal mehr die Unterstützung bieten, die wir noch Ende 2008 leisten konnten. Seit Beginn des Jahres sitzen die Menschen in der Falle. Viele sind auf der Flucht, auch wenn sie wissen, dass sie dabei ihr Leben riskieren. Sogar meine Ordensbrüder sind zu hilflosen Flüchtlingen geworden und nicht mehr in der Lage, der Situation zu entkommen.“
Es ist eine Katastrophe, was zurzeit, unbemerkt von den Augen der Öffentlichkeit, mit den Menschen im Nordosten Sri Lankas geschieht. Mehr als 3.000 wurden bereits getötet, mehrere Tausend sind verletzt, Hunderttausende auf der Flucht. Rund 300.000 Kinder und Erwachsene sind in einem 30 Kilometer langen Küstenstreifen eingepfercht, der von der Regierung zur „Sicherheitszone“ erklärt wurde. Ohne sauberes Wasser und ausreichend Lebensmittel müssen sie dort ausharren. „Das Krankenhaus in Maththalan hat seit dem 1. Januar 128 tote Kinder gemeldet“, heißt es in einem Bericht unserer Projektpartner. „Tatsache ist jedoch, dass die meisten Kinder erst gar nicht mehr in die Krankenhäuser kommen, sondern in den Häusern oder Flüchtlingslagern sterben und dort notdürftig begraben werden.“
Aktuell: Partner des Kindermissionswerks schwer verletzt
Am Mittwoch, 22. April, wurde bei den Gefechten auf der umkämpften Halbinsel auch die St. Anthony's Church getroffen. In der Kirche, die direkt im Kampfgebiet liegt, hatten zahlreiche Flüchtlinge Schutz gesucht. 14 von ihnen verloren in der Kirche ihr Leben, zahllose wurden verwundet. Zu ihnen gehört auch der Direktor der Caritas Vanni und Partner des Kindermissionswerks (HUDEC), Pfarrer T.R. Vasanthaseelan, der so schwere Verletzungen davontrug, dass sein linkes Bein amputiert werden musste.
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Hintergrund
Seit mehr als 25 Jahren kämpfen im Norden Sri Lankas Regierungstruppen gegen die Rebellenorganisation LTTE (Befreiungstiger von Tamil Eelam). Die „Befreiungstiger" der LTTE sehen sich als Vertretung der Tamilen, die mit einem Bevölkerungsanteil von 18 Prozent die größte Minderheit im Land stellen. Die LTTE kämpft für einen eigenen Staat (Tamil Eelam), was die Regierung zu verhindern versucht. Der so genannte Befreiungskrieg wird seit vielen Jahren mit unmenschlicher Härte geführt. Zu Beginn des Jahres hatte die Regierung Sri Lankas den Waffenstillstand mit den tamilischen Rebellen aufgekündigt und mit einer großangelegten Offensive den „letzten Krieg" begonnen.





