Comparsa Fantasia vermittelt lebendige Eindrücke aus ihrem Heimatland Kolumbien
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„Wenn ich Musik mache, kann ich ausdrücken, was ich fühle und was ich denke. So erfahren auch die Zuschauer wie es mir geht.“ Ganz schön reflektiert blickt der 15-jährige Julián Valencia Florez auf sein Hobby, das sein Leben bestimmt und vielleicht auch einmal seine berufliche Zukunft. Gemeinsam mit neun weiteren Jugendlichen tourt der junge Kolumbianer derzeit durch Deutschland.
Die Kulturgruppe Comparsa Fantasia ist vom 13. November bis 2. Dezember in Kooperation mit dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und dem Hamburger Projekt „KinderKulturKarawane“ unterwegs. In Schulen, Kirchen und Pfarrgemeinden zeigen die vier Mädchen und sechs Jungen mit Musik, Tanz, Akrobatik und Theater wie die Kultur ihres Heimatlandes Kolumbien aussieht.
Kolumbien ist das Beispielland der kommenden Aktion Dreikönigssingen. Und nicht nur Sternsinger sollen im Vorfeld ihrer 51. Aktion erfahren, wie Kinder und Jugendliche in der Einen Welt leben.
„Die Gewalt verlernen“
Die Jugendlichen, die mit zwei ihrer kolumbianischen Betreuerinnen und zwei Freiwilligen aus Deutschland unterwegs sind, kommen alle aus dem Barrio Kennedy, einem Stadtteil im Nordosten von Medellín. Neun der Artisten haben zum ersten Mal ihr Barrio verlassen.
Seit 1980 arbeitet die „Cooperación Educativo y Cultural Simón Bolivar“ sehr erfolgreich im Nordosten der 2-Millionen-Stadt. Der Stadtteil, in dem über 45.000 Menschen leben, ist geprägt von niedrigem Sozialstatus und einer hohen Gewaltrate. Die „Cooperación“ begann zunächst mit Alphabetisierungsprogrammen, konzentrierte ihre Arbeit jedoch sehr schnell auf die Gewaltprävention.
Durch Verhandlungen, Jugendarbeit und kulturelle Initiativen gelang es, sowohl die Bandenkriege als auch die Anwesenheit von Milizen im Stadtteil deutlich zu reduzieren. Mit ihrem Programm „Die Gewalt verlernen“, leistete die Initiative eine hervorragende und beispielhafte Arbeit in der Friedenserziehung.
Ungewohnte Distanz zum Publikum
Wichtiger Bestandteil der Arbeit ist seit Jahren das Jugendbildungszentrum „Viviendo y Soñando“. Das Zentrum ist ein Treffpunkt für Jugendliche, der ihnen einen Freiraum gibt, das Leben „auszuprobieren“ und zu lernen, wie sie in Freiheit leben und Träume verwirklichen können.
Schwerpunkt der Arbeit ist es, künstlerische und kulturelle Prozesse in Gang zu setzen und zu fördern. Seit drei Jahren gibt es die Kulturgruppe Comparsa Fantasia. 32 Jugendliche gehören dazu, zehn von ihnen wurden für die Tour durch das so weit entfernte Deutschland ausgewählt.
Und die Auftritte hier sind ganz anders, wie Connie erzählt: „In Kolumbien treten wir auf der Straße auf. Alle Menschen singen und tanzen mit. In Deutschland stehen wir auf der Bühne und die Distanz zum Publikum ist sehr groß. Diese Distanz müssen wir erst mal überwinden, doch am Ende unserer Aufführungen holen wir immer Leute auf die Bühne, die dann auch mitmachen.“
Doch nicht nur Musik und Tanz, auch Theater, Stelzenlauf und weitere akrobatische Einlagen gehören bei den Aufführungen und Workshops im Rahmen der Reise mit zum Programm. Nach Stationen unter anderem in Aachen, Frankfurt, Saarbrücken und Münster geht es am 8. Dezember wieder zurück nach Medellín.
Mit einer Menge Eindrücke – und mit vielen Erfahrungen. „Ich spiele bei unseren Auftritten die Flöte. Später möchte ich einmal Folklorekünstler werden“, erzählt Julián. „Hier in Deutschland habe ich meine ersten Auftritte, und ich kann viele neue Erfahrungen sammeln. Ich denke, das ist sehr wichtig für meine Zukunft.“
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