01.01.1970

Katholiken in Bosnien schauen nach Europa

Msgr. Winfried Pilz besucht die Kirche in einem leidgeprüften Land

Aachen. „Ein Land voller Widersprüche, aber auch voller Hoffnung“, nannte Msgr. Winfried Pilz, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, Bosnien-Herzegowina, das er mit einem Team des Hilfswerkes besuchte.

Begleitet vom Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Bosnien, Pfarrer Tomo Knezevic, konnte er in der vergangenen Woche zahlreiche Stützpunkte des kirchlichen Engagements kennenlernen. Allein das Kindermissionswerk hat seit 1996 70 größere und kleinere Projekte im Land nachhaltig gefördert.

Am Beginn des Besuches stand ein Gedankenaustausch mit den bosnischen Bischöfen, die gerade unter Leitung von Kardinal Vinko Puljic in Sarajewo tagten. Besonders eindrucksvoll ist die Initiative der so genannten „Europaschulen“, die Weihbischof Pero Sudar seit längerem mit viel Einsatz auf den Weg gebracht hat. Seine Devise: Nach einer unseligen Geschichte müssen die verschiedenen politischen und religiösen Gruppierungen auf Zukunft hin denken und die junge Generation befähigen, ihr Land in einem friedlichen Miteinander zu gestalten.

Der Beitrag der katholischen Minderheit hierzu genießt im Land hohes Ansehen, zumal Kindergärten, Schulen und gemeindliche Aktivitäten auch für Nichtkatholiken offen sind. Ein Friedensgebet im Geiste von Assisi, das unterschiedliche Religionsvertreter vereinigte und an dem die deutschen Gäste teilnehmen konnten, zeugte vom Willen, hier einen gemeinsamen Weg zu finden.

Trümmer und Verwundungen erinnern mahnend

Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Trümmer und Verwundungen der kriegerischen Konflikte im Land mahnend daran erinnern, wie viele unbewältigte Probleme noch Geduld und Einsatz herausfordern.

Das betrifft die Situation ethnischer und religiöser Minderheiten. Es betrifft die vielfachen Traumatisierungen derer, die den Krieg nach dem Zerbrechen Jugoslawiens persönlich mit erlitten haben. Es betrifft die Entscheidungen der Politiker. Es betrifft nicht zuletzt die Solidarität der deutschen Kirche mit den Schwestern und Brüdern „vor unserer Haustür“, die in Gefahr sind, im Prozess der europäischen Einigung aus dem Blick zu geraten.

Msgr. Pilz: „Gerade das Zutrauen und die Fröhlichkeit der Kinder, denen wir begegnet sind, fordert uns zu einem sensiblen und ebenso beharrlichen Engagement heraus, damit sie morgen in ihrer Heimat in Frieden leben können.“