Der „Nickneger“ hat ausgedient – und was kommt jetzt?

Wer hat eine gute Idee und gestaltet eine Alternative?

Lecteur video pour nickneger.flv

Früher standen sie an nahezu jeder Krippe: die sogenannten „Nickneger“. Mit einem artigen Kopfnicken „bedankten“ sich die Gips- oder Pappmache-Figuren, sobald man ein Geldstück eingeworfen hatte. Nicht nur Afrikaner, sondern auch Inder, Chinesen oder sogar Eskimos und Weiße wurden auf den Spendenbüchsen abgebildet.

In guter Absicht war der „Nickneger“ um die Jahrhundertwende eingeführt worden – als vor allem bei Kindern beliebte Spendendose zu Gunsten der Mission in Übersee. 1964 wurde er als Opferbüchse jedoch schon wieder abgeschafft, „da er ein irreführendes Image von Mission hervorruft“, so Msgr. Winfried Pilz, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Lange wurde der Begriff "Mission" schamhaft verschwiegen. Und während der Missionsgedanke im Kindermissionswerk zum „täglich Brot“ gehört, ist er in der Öffentlichkeit erst seit kurzem wieder präsent: als "Modebegriff" für alles Mögliche, aber auch im Zentrum des christlichen Nachdenkens.

Der „Nickneger“ sollte nach dem heutigen Missionsverständnis jedenfalls längst ausgedient haben. In einzelnen Kirchen hat er die Zeit jedoch überdauert. Deshalb unterstützt das Kindermissionswerk gerne eine Initiative aus dem Bistum Osnabrück, die zu einem kreativen Wettbewerb aufruft. „Wir suchen Alternativen, die in die heutige Zeit passen“, sagt Dieter Tewes vom Bereich Missionarische Dienste im Seelsorgeamt des Bistums Osnabrück. Der Afrikaner, der sich für die großherzige Spende des Weißen bedankt, entspreche nicht mehr dem Bild von Partnerschaft mit den Entwicklungsländern. „Längst reichen wir einander die Hände, weil wir eine Solidargemeinschaft sind.“

Dem Christkind etwas schenken
Auch beim Kindermissionswerk hatte man immer wieder über eine neue, zeitgemäße und überzeugende Lösung nachgedacht. Von der Geldtreppe (ca. 1970), über sogenannte Taufbrunnen, an denen afrikanische und deutsche Kinder gemeinsam stehen, bis hin zu einer Weltkugel, wurden über die Jahre verschiedene Modelle entwickelt. Die Weltkugel, die von einer Schar Kindern hoch gehalten wird, kam dem Gedanken der weltumspannenden Hilfe sehr nahe. Geht es nach Dieter Tewes, dann sollte es auf jeden Fall auch weiterhin eine Möglichkeit geben, Geld zu spenden und dafür eine Reaktion zu bekommen. „Vielleicht lässt sich ja etwas gestalten, wobei beim Geldeinwurf ein Licht blinkt oder ein Geräusch ertönt“, meint er. Schließlich sollten die Kinder auch weiterhin Freude daran haben, an der Krippe dem Christkind eine Gabe zu schenken. Eine Gabe, die dann an bedürftige Menschen weitergegeben werden kann.

Bis zum 5. Dezember sind alle großen und kleinen Tüftler dazu aufgerufen, eine Spendenbüchse zu entwerfen. Eine Jury, bestehend aus Msgr. Winfried Pilz, dem Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode, dem Osnabrücker Kirchenboten und natürlich Kindern, wird die Ergebnisse beurteilen. Den Schöpfern der besten Ideen winkt ein Besuch im Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in Aachen.

Kontakt

Dieter Tewes
Telefon 0541/318203
D.Tewes(at)bgv.bistum-os(dot)de