THEMEN > Kindersoldaten > Olal: Die schlechten Träume bleiben

Materialien für den Unterricht

Die schlechten Träume bleiben

Als Olal elf Jahre alt war, hat ihn die LRA-Guerilla in Uganda verschleppt und zum Töten gezwungen. Damals herrschte dort ein grausamer Krieg, zwei Jahre zuvor schon waren seine Eltern ermordet worden und er war zu seiner seiner Tante gezogen.

Olal fällt es schwer, über das Erlebte zu sprechen.
Foto: Petra Schürmann

„Nie waren wir sicher. Es gab Überfälle, Kinder wurden entführt und Menschen erschossen. Ich hatte oft Angst davor, dass ich irgendwann auch an der Reihe sein würde.

Als ich elf Jahre alt war, haben sie mich mitgenommen. Die LRA (Lord's Resistance Army, Anm. der. Red.) hat mich in den Busch verschleppt. Sie schrien uns an, schlugen uns und wir mussten laufen, laufen, immer weiter. Nie blieben wir lange an einem Ort. Ich hatte keine Schuhe, und meine Füße waren blutig. Ich konnte kaum noch weiter. Einmal habe ich einen Soldaten erschossen und seine Schuhe genommen.

Ich lief ab wie eine aufgezogene Uhr
Ich hörte auf nachzudenken und dachte nicht mehr an Zuhause. Oft wusste ich nicht, wo ich war. Der Busch sah überall gleich aus. Ich stahl Essen, Wasser und alles, was wir so brauchten. Immer knurrte mein Magen. Ich lief ab wie eine aufgezogene Uhr. Drei Jahre war ich Soldat bei den Rebellen - obwohl ich noch ein Kind war.

Ob ich über eine Flucht nachgedacht habe? Ab und zu. Nachts, wenn es dunkel war und wir zwischen den Sträuchern zusammengekauert auf dem Boden lagen. Aber ich konnte nicht zurück. Sie hätten mich umgebracht. Für die anderen war ich ein Mörder. Deshalb versuchte ich es nie. Vor einem Jahr traf ich eine junge Frau. Sie hat mich mit einem Gewehr gezwungen mit ihr zu fliehen. Freiwillig wäre ich nicht mitgegangen. Ich traute niemandem.

Jetzt geht es mir besser
Nur nachts, da kommen die Träume, und ich habe wieder die Bilder von damals im Kopf. Manchmal würde ich am liebsten wieder zurück in den Busch. Ich finde mich einfach nicht zurecht im normalen Leben. Die anderen hier in der Schule verstehen mich nicht. Aber seit einigen Wochen kenne ich einen Jungen aus der Nachbarklasse. Er war auch im Busch. Jetzt geht es mir besser. “