THEMEN > Behinderung > Evelyns Traum: eine Prothese

Film zum Thema "Behinderung"

Wie leben Kinder mit Behinderung in Kambodscha und wie wird ihnen geholfen? Armin Maiwald ist nach Kambodscha gereist und hat Kinder mit der Kamera besucht.

Evelyns Traum: eine Prothese

Kinder und Jugendliche berichten über ihren Alltag mit Behinderungen – über ihre Probleme und Wünsche

Evelyn aus Port-au-Prince/Haiti

Evelyn lebt in Carrefour, einem Vorort der haitianischen Hauptstadt Portau-Prince. Als die Erde am 12. Januar 2010 bebte, war sie in der Schule. Sie wurde verschüttet und verletzt, doch ihren Mitschülern gelang es, das Mädchen aus den Trümmern zu befreien. Sie brachten Evelyn ins Krankenhaus. Das war jedoch so überfüllt, dass sie mehrere Tage auf eine Operation warten musste. Als sie schließlich operiert wurde, konnten die Ärzte ihre Hand und einen Teil ihres Armes nur noch amputieren. Bis heute wird Evelyn regelmäßig im Krankenhaus behandelt.

Inzwischen besucht sie wieder eine Schule in Carrefour. Bei dem Erdbeben wurde ihre alte Schule komplett zerstört. Die Trümmer wurden bisher noch nicht abgetragen und der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern. Evelyn und ihre Mitschüler werden daher in Zelten auf dem Schulhof unterrichtet. Wenn Evelyn die Schule abgeschlossen hat, möchte sie studieren. Im Moment träumt sie jedoch vor allem von einer Prothese, doch dafür reichen die Mittel der Familie nicht aus.


 

Boreak aus Siem Reap/Kambodscha

Fünf Mal wurde Boreak bis heute operiert. Als 10-Jähriger half er seinem Vater dabei, einen neuen Zaun zu setzen. In einem großen Erdklumpen steckte eine Mine, die explodierte und seine Hand zerfetzte. Weil Boreaks Eltern zu arm waren, um zu einem normalen Arzt zu gehen, wurde er im Militärkrankenhaus behandelt. Die Wunde heilte nicht und Boreak verlor seinen rechten Arm. Heute wohnt Boreak in der kambodschanischen Stadt Siem Reap im Projekt von Aki Ra.

Aki Ra hat früher selbst Landminen gelegt, manchmal 1.000 am Tag. Heute hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Landminen zu entschärfen. Er hat ein Landminenmuseum eröffnet. Hier stellt er aus, was er im ganzen Land aus der Erde gegraben hat: Landminen und Streubomben verschiedenster Fabrikate. Mit den Museumseinnahmen und Spenden hat Aki Ra hinter dem Museum ein Haus für Minenopfer und andere Kinder mit Behinderungen aufgebaut. Hier lebt Boreak. Er geht in die Schule, ist ein begeisterter Fußballspieler und in seinem Schulteam einer der besten Stürmer. „Später möchte ich Wärter hier im Landminenmuseum werden. Um den Leuten die Minenprobleme zu erklären, und um etwas zu verdienen und meinen Eltern zu helfen."


 

Thabiso aus Sizanani/Südafrika

Thabiso ist Waise. Als er ein Jahr alt war, kam er in eine Einrichtung für behinderte Kinder nach Sizanani. Thabiso kann seine Beine nicht bewegen – eine Behinderung, die auf eine Nervenerkrankung zurückzuführen ist. Mittlerweile besucht er morgens eine nahe gelegene Schule, nachmittags geht er zur Bewegungstherapie. Oft langweilt Thabiso sich und ist launisch. In den letzten Monaten hat er angefangen die Schule zu schwänzen, da diese ihn unterfordert, und er weigert sich, Lesen und Schreiben zu lernen. Seine Betreuer wollten für Thabiso eine Arbeit finden, doch es gab niemanden, der einen Analphabeten mit Behinderung einstellen wollte. Hin und wieder besucht Thabiso die Familie eines Schulfreundes. Danach kommt er immer gut gelaunt nach Sizanani zurück und schwärmt von seiner neuen tollen Familie.

Thabisos große Leidenschaft ist Fußball. Er ist ein großer Fan der „Mamelodi Sundowns" und findet es schrecklich, wenn die gegnerische Mannschaft gewinnt. Trotz seiner Behinderung spielt Thabiso auch selbst Fußball. „Ich kann zwar meine Füsse nicht bewegen, aber wir krabbeln beim Fußballspielen einfach auf dem Boden", erklärt er. Um sich möglichst selbständig fortbewegen zu können und nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, macht Thabiso regelmäßig Krafttraining. In Sekundenschnelle kann sich der Junge auf den Armlehnen seines Rollstuhls hochstemmen und für einen kurzen Moment im Handstand verharren. „Ich verwende nur meine Kraft", erklärt Thabiso stolz.


 

Mateus Luiz aus Brasilien zeigt seinen Namen in Gebärden- sprache.

Ich bin zwölf Jahre alt und im Nordosten von Brasilien geboren. Ich habe einen kleinen Bruder und einen großen, der ist aber schon ausgezogen. Ich bin der einzige Gehörlose in meiner Familie. Meine Eltern und ich lernen jetzt Gebärdensprache und langsam verstehen wir uns besser. Vorher haben sie immer versucht, mit mir zu sprechen, aber das war schwierig für mich. Ich höre ja nichts. Ich bin mit vier in den Kindergarten gekommen und bin dann zusammen mit meinem Bruder eingeschult worden. Er hat mir viel geholfen in der Schule. Ich konnte mich kaum verständigen und habe im Unterricht nicht viel mitbekommen. Ich hatte auch keine richtigen Freunde dort.

Seit letztem Jahr gehe ich in eine Schule für hörende und gehörlose Kinder. Dort gibt es Dolmetscher für Gebärdensprache. Am Anfang habe ich gar nichts verstanden, aber ich lerne jeden Tag neue Gebärden dazu. Das macht mir viel Spaß. Ich bin sehr gut in Mathematik und kann gut zeichnen. Wenn ich groß bin, möchte ich Lehrer werden oder am Strand Eiscreme verkaufen. Ich liebe nämlich Süssigkeiten!