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Das Projekt „Thandanani“

Die Thandanani Children's Foundation wurde 1989 in Pietermaritzburg/Südafrika gegründet 1989 Sie hilft Waisen und unterstützt gefährdete Kinder. Von HIV/Aids betroffene oder infizierte Kinder werden ganzheitlich mit Blick auf die materiellen, geistigen und emotionalen Grundbedürfnisse versorgt und in die örtlichen Gemeinschaften integriert. Das Kindermissionswerk unterstützt das Projekt seit dem Jahr 2000.

Babys ohne HIV

2009 wurden weltweit 370.000 Babys durch Mutter-Kind-Übertragung mit dem HI-Virus infiziert. Setzen Sie sich mit Ihrer Unterschrift im Rahmen des Aktionsbündnisses gegen AIDS gemeinsam mit dem Kindermissionswerk dafür ein, dass die Mutter-Kind-Übertragung bis 2015 gestoppt wird! Unterschreiben Sie jetzt>>

Materialien

Memory-Boxen gegen das Vergessen

Die Familiengeschichte steckt in einer Holzkiste

Agnes Mkhize, die Thandanani-Mitarbeiterin (rechts), im Gespräch mit einer der Großmütter. Fotos: Markus Offner

Es nieselt leicht aus dem Wolken verhangenen Himmel im Township Dambuza außerhalb von Pietermaritzburg als Agnes Mkhize uns am Tor zu ihrem kleinen Grundstück willkommen heißt. Schnell wird klar, die kräftige Endvierzigerin ist eine von vielen Frauen in Südafrika, die ihre Familie zusammenhalten. Weit über ihre eigentliche Arbeit als Entwicklungskoordinatorin der Kinderhilfsorganisation Thandanani, verkörpert sie die Hoffnung einer Gesellschaft, in der 40 Prozent der Bevölkerung mit dem HIV-Virus infiziert sind.

21 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit, den kirchlichen Hilfswerken, katholischen Verbänden und Räten haben sich gemeinsam nach Südafrika aufgemacht, um den Lebens- und Arbeitsalltags vor Ort mit zu leben und so die HIV/Aids-Problematik aus einer anderen Perspektive zu erfahren. „HIV/Aids - Gesellschaftspolitische Herausforderung und christliche Verantwortung" lautet das Motto des Exposure- und Dialogprogramms.

Haushalte bestehen aus Großmüttern und Kindern
Der nächste Tag beginnt früh. Einer der zahllosen Taxi-Kleinbusse bringt uns in das europäisch-kolonial geprägte Stadtzentrum von Pietermaritzburg. Dort liegt das Büro von Thandanani. Agnes bespricht sich kurz mit den Kolleginnen, dann geht es in einen der drei Townships der Kommune Msunduzi. Dort treffen wir eine junge Frau. Sie ist als Freiwillige im Township unterwegs ist und identifiziert Haushalte, in denen HIV-infizierte oder von HIV/Aids betroffene Kinder leben, die psycho-soziale Betreuung und Unterstützung benötigen. In der Mittagshitze führt uns unser Fußmarsch bergan zu mehreren einfachen Wohnhäusern. Überall werden wir freundlich empfangen, meist von einer Frau, oft einer Großmutter und nur selten sind Männer zuhause. Die Lebensgeschichten wiederholen sich: Von ihren vier, fünf oder sechs Kindern, so erzählen uns die Großmütter, sind zwei, drei oder auch alle an Aids gestorben. Der Haushalt besteht nur noch aus der Großmutter und den Enkeln. Die Waisenrente von 700 Rand im Monat (rund 75 Euro) ist meist das einzige Einkommen der Familie. Oft sind auch die Enkel HIV/Aids-infiziert, dennoch gehen die meisten dank antiretroviraler Medikamente zur Schule.

In kleinen Holzkisten, den so genannten Memory-Boxen, bewahren die Familien Erinnerungen für die nachfolgenden Generationen auf.

Ein besonderer Schatz dieser Familien verbirgt sich in einfachen Holzkisten, sogenannten Memory-Boxen. In der Erinnerungskiste von Familie Kheswa verbergen sich Fotos und andere Erinnerungsstücke an verstorbene Familienmitglieder. Agnes und ihr Team laden Familien ein, an der Memory-Box-Arbeit teilzunehmen. Stimmen alle in der Familie zu, bekommen sie eine neutrale Holzbox. In gemeinsamen Treffen besprechen sie, was an die Kinder und Enkel weitergegeben werden soll. Die eigentliche Erinnerungsarbeit macht die Familie dann für sich alleine. Großmütter erzählen die Familiengeschichte, Enkel schreiben sie auf, schon weil die Grannies oft weder lesen noch schreiben können. Mütter, die wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben, halten das fest, was sie ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben wollen. Erinnerungen sind oft schmerzhaft, aber notwendig, damit die Nachkommen überhaupt eine Chance haben zu erfahren, wo sie herkommen, wer ihre Eltern waren, was ihnen wichtig war. Die Erinnerungsarbeit stiftet Identität und ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit.

Hauptgründe für die Pandemie: Armut und Ungerechtigkeit
Unvergesslich wird auch der Besuch der Gräberfelder außerhalb von Pietermaritzburg am Allerheiligentag bleiben. Einige Fußballfelder groß ist Erdhaufen neben Erdhaufen zu sehen. Auf den einfachen Holzkreuzen sind die Geburtsjahre der Verstorbenen der letzten Monate zu sehen: 1979, 1983, 1992 - daneben Kindergräber. Ein erheblicher Teil einer ganzen Generation wird hier zu Grabe getragen. „Sich um Menschen zu kümmern, die von HIV/Aids betroffen sind, bricht einem das Herz", erzählt uns Bischof Kevin Dowling, katholischer Bischof von Rustenburg und langjähriger Verantwortlicher der Aids-Arbeit der Bischofskonferenz in Südafrika aus eigener Betroffenheit und Erfahrung. „Die Hauptgründe für die Aids-Pandemie in Südafrika sind Armut und Ungerechtigkeit". Die Kirche in Südafrika hat durch ihre Arbeit an der Seite der Menschen eine Option getroffen.

Unseren Teil der Verantwortung auch weiter zu tragen, ist Teil des Gepäcks, das wir mit zurück nehmen nach zehn Tagen Südafrika ohne Kap-Region und Naturparks, aber voller Erfahrungen und Begegnungen mit Menschen wie Agnes Mkhize und Bischof Kevin Dowling.

Markus Offner, Kindermissionswerk „Die Sternsinger"