So macht Lernen Spaß!
Die Meti-Schule in Bangladesch
Lehm, Stroh und Bambus -
die traditionellen Baumaterialien in Bangladesch zeugten bislang von Armut und Unterdrückung. Aufgeweicht von Regen und Feuchtigkeit zerfallen die Lehmhütten der einfachen Bevölkerung nach wenigen Jahren. „Ein stabiles Haus braucht gute Schuhe und einen guten Hut”, erklärt die Architektin Anna Heringer. „Wir haben ein Fundament aus Steinen gelegt und der Schule ein wasserdichtes Dach verpasst. So hält die METI-Schule auch den stärksten Regengüssen stand. Das konnten wir während der Bauarbeiten ausgiebig testen!” Gemeinsam mit Lehrern, Schülern und den Handwerkern ist ein Bauwerk entstanden, das wirklich „Schule macht”. Eine Berufsschule und Wohnhäuser für Bauernfamilien aus Lehm sind bereits geplant.
Reisbauern und Analphabeten
Im Norden Bangladeschs leben die meisten Menschen vom Ertrag ihrer Reisfelder, manche bauen auch Mais oder Jute an. Poritoshs Vater hat einen kleinen Laden in dem er Tee und frittierte Gemüsekugeln verkauft, die Poritoshs Mutter backt. Wie fast alle Erwachsenen im Ort haben Poritoshs Eltern keinen Schulabschluss. In Bangladesch sind die Hälfte der männlichen Bewohner Analphapeten. Unter den Frauen sind es - trotz Schulpflicht - 69 Prozent.
In der Dorfschule, die Poritosh und Subraoto früher besucht haben, hatten die beiden Angst. „Ständig erhielten wir Schläge”, erzählt Subraoto. „Wenn wir schwatzten. Wenn wir Hausaufgaben vergessen hatten oder eine Aufgabe nicht auf Anhieb verstanden. Die Lehrer halfen uns nicht, sie schimpften nur.” Keines der Dorfkinder hat am Ende der zehnten Klasse die Abschlussprüfung bestanden, die zum Besuch des Colleges berechtigt, das Voraussetzung für ein Studium ist.
METI - das „Modern Education und Training Institute”
Seit sie auf die METI-Schule gewechselt sind, freuen sich die Jungen auf den Unterricht. In der METI-Schule unterstützen die Lehrer ihre Schüler. Sie sind der Überzeugung, dass die Jungen und Mädchen besser lernen, wenn sie sich wohlfühlen. Schulbänke sucht man daher vergeblich. Zum Unterricht machen es sich Schüler und Lehrer lieber auf Bastmatten bequem. Unter der Decke hängen bunte Tücher und die Bambusstäbe vor den Fenstern werfen immer neue Schattenmuster auf den Boden. Und zum Lesen oder zum Arbeiten in kleinen Gruppen können sich die Schüler in gemütliche Höhlen und Nischen zwischen den Klassenräumen zurückziehen.
Die Jungen und Mädchen der „Tsunami”-Klasse stehen kurz vor der Abschlussprüfung an der öffentlichen Schule in Rudrapur. Angst vor den Aufgaben haben sie nicht. „Die Frage ist nicht, ob wir bestehen, sondern wie gut.”, meint Poritosh und schaut lachend kurz von seinem Mathebuch auf.

- „Über 90 Prozent dürften die Abschlussprüfung bestehen”, zeigt sich Lehrer Roy zuversichtlich. Damit lägen die METI-Schüler in Bangladesch weit über dem Landesdurchschnitt.
Wasser steht für die Kraft der Veränderung
Wenn die Schüler im Laufe der Jahre vom „Regen” in den „Tsunami” kommen, klingt das in dem regelmäßig von verheerenden Überschwemmungen heimgesuchten Land nach einer Katastrophe. Aber Lehrer Rongon Roy beruhigt: „Aus dem Wasser ist alles Leben entstanden. Wasser steht für die Kraft der positiven Veränderung und Erneuerung.” Die Klassen in der METI-Schule sind nicht einfach durchnummeriert, sondern haben Namen, die alle mit dem Element Wasser zu tun haben. Gefragt, in welche Klasse sie gehen antworten die Schüler deshalb „Quelle”, „Fluss”, „See”, „Ozean”, „Wolke”, „Sturm”, „Tornado” oder „Hurrikan”.
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