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Beispielland Senegal
Reportagen und Berichte über das Beispielland der Aktion Dreikönigssingen 2010
- Hintergrund: Alphabetisierung im Senegal
- Reportage: Senegals Fischer in der Krise
- Feature: Gregorianischer Choral im Senegal
- Modell: Christen und Muslime im Senegal
Reiseberichte aus aller Welt
Reportagen und Berichte aus dem Senegal
„Ich habe das Fischen immer schon geliebt“
Interview mit dem senegalesischen Fischer Jean-Marie Ciss
Wie ist ihre Situation als Fischer?
Die Situation ist schlechter geworden, weil das Meer nicht mehr so ist, wie es einmal war. Die Ursache liegt bei den großen Schiffen, die industrielle Fischerei betreiben. Sie haben keinen Respekt vor der Grenze. Früher konnte ich an einem Tag 500 Kilogramm – wenn nicht sogar eine 1 Tonne – Fisch, Langusten und andere Meeresfrüchte fischen. Aber heute fährt man aus und 50 Kilogramm sind bereits eine Schwierigkeit. Um einen guten Fischfang zu machen, muss man 30 Kilometer hinaus fahren. Früher haben 2 Kilometer gereicht.
Hat das Fischen in ihrer Familie Tradition?
Ich habe das Fischen immer schon geliebt. Ich war in der Schule, aber wegen der Armut der Familie habe ich 1978 das Studium beendet und bin fischen gegangen. Schon davor war ich immer in den Sommerferien fischen, um mir Taschengeld zu verdienen. Mit dem Geld konnte ich die Familie unterstützen und eigene Kleider kaufen.
Was braucht man alles, um Fische zu fangen?
Ein Fischer tut sich mit drei bis vier Personen zusammen, kauft Benzin und Köder und fährt hinaus aufs Meer. Als Köder für große Fische werden kleine Fische gebraucht. Für den Eigenbedarf nehmen die Fischer auch Kohle mit, um Tee zu kochen oder Fische im Boot zu grillen. Wenn die Fischer nach zehn Stunden um 16 Uhr vom Meer zurückkommen, bekommt jeder seinen Teil für die eigene Familie. Der Rest wird verkauft.
Welche Konsequenzen hat die Situation für das Leben ihrer Familie?
Ich bin Alleinversorger und versorge zehn Personen im Haus, weil mein Bruder krank ist. Er leidet an einer psychischen Krankheit und wird im Krankenhaus in Thiès behandelt. Es geht ihm aber langsam besser. Finanziell war das schwer, aber die Familien sind untereinander solidarisch.
Wie verbringen sie ihre Freizeit?
Ich leite seit 17 Jahren den Chor mit über 40 Personen in der Pfarre. Ich spiele auch Orgel, bin Komponist und habe sogar eine eigene CD herausgegeben. Das Talent für das Orgelspiel habe ich von meinem Großvater geerbt. Fischerei und Orgelspielen habe ich im Blut. Die Kirchenmusik hilft mir den Glauben zu vertiefen. Ein Mensch ohne Glauben wäre wie ein Tier. Ob Moslem, Christ oder Animist: jeder glaubt an etwas. Der Glaube ist ein Mysterium wie das Meer. Wenn man hinausfährt, weiß man nicht, ob man Fische fangen wird. Genauso geht es mir mit der Hoffnung und dem Gebet. Man betet mit der Hoffnung, dass alle Wünsche erfüllt werden. Und ich wünsche mir Frieden und vor allem Gesundheit, Erfolg und ein gutes Verständnis zwischen Christen und Muslimen.
Welche Rolle spielt der Glaube in ihrer Familie?
Wir praktizieren den Glauben in der Familie. Alle gehen beten. Meine Nichte, die Muslimin ist, betet auch jeden Tag. Manchmal betet die Familie auch gemeinsam – am Abend, wenn alle nach dem Essen zusammen sind. Wir beten für die Kranken, für den Frieden, für die Familie, für den Frieden in der Welt und für die muslimischen Geschwister. Man betet nicht für sich selber, sondern für die anderen, damit man auch etwas zurückbekommt. Denn meine Lieblingsstelle in der Bibel ist: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Nur wer sich selber liebt, kann andere lieben. Und das ist sehr wichtig.
Interview: Jan Tussing
"Kinder finden neue Wege" heißt das Leitwort der 52. Aktion Dreikönigssingen 2010. Das Beispielland des kommenden Dreikönigssingens, das am 29. Dezember in Hamburg bundesweit eröffnet wird, ist der Senegal. Hier finden Sie eine wachsende Sammlung von Reportagen und Berichten, die sich mit dem Land und den Menschen beschäftigen.







