"Sternsinger sind buntes Zeichen für die Botschaft von Weihnachten"
Msgr. Winfried Pilz zur 51. Aktion Dreikönigssingen
Zum 51. Mal werden rund um den 6. Januar 2009 bundesweit die Sternsinger unterwegs sein. „Kinder suchen Frieden – buscamos la paz“ heißt das Leitwort der kommenden Aktion Dreikönigssingen, bei der in allen 27 deutschen Bistümern wieder 500.000 Mädchen und Jungen in den Gewändern der Heiligen Drei Könige von Tür zu Tür ziehen werden. Mit ihrem aktuellen Motto machen die Sternsinger gemeinsam mit den Trägern der Aktion Dreikönigssingen – dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) – deutlich, dass sie sich für das Recht von Kindern weltweit einsetzen, in Frieden und Freiheit aufzuwachsen. Msgr. Winfried Pilz, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, erzählt im Interview, wie die Sternsinger die Botschaft vom Frieden zu den Menschen bringen.
Zu Jahresbeginn 2008 haben die Sternsinger ihre 50. Aktion Dreikönigssingen gefeiert. Was erwarten Sie nach einem solch besonderen Jubiläum von der 51. Aktion?
Die Aktion hat in den vergangenen Jahren eine eindrucksvolle Wegstrecke zurückgelegt und sich immer weiter sehr positiv entwickelt. Das Jubiläum war natürlich eine Art „Sternstunde“, und jetzt geht es wieder „normal“ weiter. Das bringt uns die Chance, dass wir uns wieder intensiv mit einer bestimmten und diesmal besonders wichtigen Thematik befassen können.
Das Leitwort der kommenden Aktion heißt „Kinder suchen Frieden“. Die Fernsehnachrichten zeigen beinahe stündlich Bilder von Gewalt im Irak, im Kongo, in Afghanistan, in Indien. Ist das Leitwort nicht bloß ein besonders frommer Wunsch? Können Kinder den Frieden überhaupt finden?
Am wichtigsten ist, dass überall auf der Welt, wo Gewalt geschieht oder Krieg geführt wird, die Kinder die Wehrlosesten sind, am meisten zu leiden haben und für ihr ganzes Leben körperliche Verletzungen oder seelische Traumata auszuhalten haben. Wenn wir mit unserer Aktion sehr konkret die Frage stellen, wie Kinder auf ein faires, gewaltfreies Miteinander trainiert werden können, ist das ein entscheidender Beitrag für ihre ganze Zukunft. Dass da wirksame Schritte konkret möglich sind, zeigt gerade das Beispiel Kolumbien. Wir unterstützen dort viele, die an einer aktiven Friedenserziehung arbeiten, und lernen auch vieles von ihnen.
Das Beispielland ist Kolumbien, ein Land, das ganz besonders unter Gewalt leidet. Wie erklärt man den Kindern in Deutschland die Situation von Mädchen und Jungen, die in einem solchen Klima aufwachsen müssen?
Bei den Vorbereitungen zur Aktion ist uns erschreckend bewusst geworden, dass es nicht nur Kriege im Großen gibt, von Volk zu Volk, sondern dass der „Krieg“ schon von Tür zu Tür beginnen kann. Das ist für uns übrigens auch eine Herausforderung, auf Spuren der Gewalt in unserem Lande genau zu achten – in Schulen, in der öffentlichen Szene und überall, wo die Regeln der Fairness verletzt werden. Die besondere Situation in Kolumbien und in anderen Ländern Lateinamerikas, die von permanenter Gewaltbereitschaft belastet ist, können wir hierzulande kaum verständlich machen. Umso wichtiger ist es, hiermit konfrontiert und darüber informiert zu werden. Daraus kann eine besondere Solidarität entstehen.
Die Sternsinger sammeln nicht nur für Not leidende Kinder in aller Welt. Sie bringen vor allem den Segen zu den Menschen. Was bedeutet dieses Engagement in seiner Gesamtheit für die katholische Kirche in Deutschland?
Der kolumbianische Popsänger Juanes hat eigens für die deutschen Sternsinger ein Lied verfasst, das in den geradezu heftigen Wunsch „paz – paz – paz“, Frieden also, mündet. Bei dem Versuch, das Lied ins Deutsche zu übertragen, habe ich für die Sternsinger ganz direkt die Aussage formuliert: „Wir sind die Boten des Friedens“.
Die Botschaft vom Frieden für „alle Menschen guten Willens“ ist die zentrale Botschaft der Heiligen Nacht. Und wenn wir bedenken, dass die Magier aus dem Orient wohl ausgerechnet aus Persien oder Babylon, also dem heutigen Iran und Irak, kamen, ergibt sich daraus eine höchst aktuelle Pointe. Der Friede ist immer noch bedroht, – auf allen Ebenen unseres Lebens bleibt er nicht nur eine ferne Vision, sondern eine zeitnahe Herausforderung. Dabei geht es immer auch um die Eine Welt, in der die kommende Generation leben wird.
Am Beginn eines jeden Jahres sind die Sternsinger natürlich ein besonders buntes Zeichen, dass die Botschaft von Weihnachten gilt und dass wir mit dieser Hoffnung immer auf dem Weg bleiben müssen. Am Neujahrstag, dem „Welttag des Friedens“, werden übrigens Sternsinger aus dem Libanon an der Papstmesse im Petersdom teilnehmen. Sie haben sich 2008 zum ersten Mal auf den Weg gemacht und sich dabei von den deutschen Sternsingern inspirieren lassen. Alles in allem ein Beispiel für eine Kette der Freundschaft und des Friedens, die von Land zu Land immer mehr wächst.
Sie erleben die Aktion Dreikönigssingen Jahr für Jahr sehr intensiv bei großen Veranstaltungen, Empfängen und Treffen mit den Sternsingern. Es gibt sicherlich eine Fülle von Erinnerungen. Was bleibt da besonders haften? Welches sind für Sie die schönsten Erlebnisse?
Da die zentrale Eröffnung jedes Jahr in einem anderen deutschen Bistum stattfindet, beeindruckt es mich, wie sehr die Aktion in den verschiedenen Landschaften Deutschlands ihren eigenen Charme hat. Das verstärkt sich aber noch, wenn ich irgendwo den Sternsingern einer Pfarrgemeinde begegnen kann. Da wird die große Aktion der „halben Million“ noch viel konkreter und farbenprächtiger, voller Überraschungen. Buchstäblich beeindruckend ist aber für mich, dass die große Bewegung durch so viele kleine Schritte möglich wird und dass das fantastische Sammelergebnis jedes Jahr wieder aus so vielen kleinen Münzen zusammenkommt.
Interview mit Pfr. Andreas Mauritz, BDKJ-Bundespräses (doc)





