„Gebt der Hoffnung
ein Gesicht!“
hat vor längerer Zeit ein Motto geheißen, mit dem auf die Armen in unserer Welt aufmerksam gemacht werden sollte.
„Gebt Sankt Martin ein Gesicht!“ möchte ich heute sagen. Wie ich darauf kam? Aus verschiedenen Gründen: Den ersten seht ihr gleich hier. |
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Da hat unser Nachbar, ein Student aus Syrien, uns ganz groß auf eine Fahne den Reiter gemalt, den wir eigentlich sofort als Martin erkennen. Aber der hat, wie andere Heiligenbilder, die so entstanden sind, keine Gesichtszüge. Er scheint geradezu darauf zu warten, dass er welche bekommt.
Könntet ihr euch vorstellen, dass ihr euer eigenes Passfoto hineinklebt, euer Porträt hineinmalt? Warum sollte ich nicht wie dieser Martin sein, so denken und handeln wie er, wenn mir die Armut von Menschen begegnet? So können wir alle uns fragen, und – dabei ist auch gegen eine Martin-a nichts einzuwenden.
Das zweite: Wo ist der Bettler? In einem früheren Kloster in Frankreich, das jetzt ein Haus für elternlose und hilfsbedürftige Kinder ist, habe ich einmal gesehen, wie jemand auf einer großen Holztafel die Umrisse des Bettlers gezeichnet hatte, so als hätte er noch gar nichts an. Dann aber haben ihn die Kinder mit vielen kleinen Zetteln bekleidet“, auf denen vieles stand, was sie ihm wünschten und wie sie ihm gerne helfen wollten. Also – auch da ist noch für unsere Ideen Platz. Kein Martin ohne Bettler, – er fehlt uns.
Drittens was Lustiges: Am Eingang des Bibelmuseums in Nijmegen (Holland) steht eine ganze Gruppe von lebensgroßen Figuren in orientalischer Kleidung, als kämen sie direkt aus der Bibel daher. Eigentlich nur eine Holzwand, so zurechtgesägt. Aber da wo die Gesichter sein müssten, ist wieder mal nichts – wie bei unserem Martin – , genauer gesagt: ein Loch. Dort kann, wer will, sein eigenes Gesicht hereinstecken und sich so fotografieren lassen.
Ungefähr der gleiche Trick wie eben. Aber es geht hier um mehr als um Trick und Spiel. Es geht auch nicht um Starfoto und Traumrolle. Es geht darum, dass die Armen in der Welt – und dazu gehören vor allem Millionen Kinder – ein Gesicht erkennen, das sich ihnen zuwendet und ihnen in ihrem Elend hilft.
Wir können ruhig Sankt Martin spielen und zu seiner Ehre eine Laterne anzünden. Aber wie wäre es, wenn wir wenigstens ein bisschen Sankt Martin w ä r e n ? Fragt euer
Msgr. Winfried Pilz
Präsident Kindermissionswerk
„Die Sternsinger“ |